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Studio 9 | Beitrag vom 28.05.2018

Dank für spektakuläre Rettungsaktion"Spiderman" von Paris wird Franzose

Von Marcel Wagner

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Mamoudou Gassama wird vom französischen Präsidenten Macron empfangen. (picture alliance / Guillaume Georges/MAXPPP/dpa)
Mamoudou Gassama wird vom französischen Präsidenten Macron empfangen. (picture alliance / Guillaume Georges/MAXPPP/dpa)

Er wird als "Spiderman" gefeiert: Mamoudou Gassama rettete einen kleinen Jungen, der an einem Balkon hing. Als Dank bekam er vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron die Staatsbürgerschaft verliehen.

In sozialen Netzwerken wird Mamoudou Gassama längst mit Spiderman verglichen. Doch als Superhelden sieht sich der junge Mann aus Mali selbst überhaupt nicht. Eher schüchtern ließ er im Élysée-Palast das Blitzlichtgewitter über sich ergehen, als er Macron von seiner Heldentat erzählte: "Wieviel Uhr war es?", fragte Frankreichs Präsident seinen Gast. "Es war so gegen 20 Uhr", antwortete Mamoudou. "Ich bin vorbeigekommen und sah da ein Kind in der vierten Etage hängen. Ich habe überhaupt nicht nachgedacht, ich bin einfach über die Straße gerannt, um ihn zu retten. Ich wusste, ich kann das schaffen."

Ohne Absicherung in zehn Metern Höhe

Das Video von der spektakulären Aktion ist mittlerweile Hunderttausendfach geklickt. Unter Schreien und Anfeuerungsrufen von Passanten schwingt Gassama sich auf das Dach eines Containers, springt von dort an die Brüstung des ersten Balkons. Unfassbar geschickt hangelt sich der sportliche Hobbyfußballer von Etage zu Etage, springt schließlich in gut zehn Metern Höhe ohne Absicherung von einem Geländer aus an die Balustrade der vierten Etage, erklimmt den Balkon, und zieht den kleinen Jungen, der offenbar seit Minuten ohne Halt unter den Füßen frei über der Tiefe schwebte, in Sicherheit.

"Wenn dieser Mann ihm nicht zu Hilfe geeilt wäre, wäre der Junge tot", sagte eine begeisterte Augenzeugin dem Fernsehsender BFMTV. Die ganze Aktion dauerte gerade mal eine halbe Minute. Er selbst habe erst nach seiner Tat realisiert, in welche Gefahr er sich da selbst gebracht hatte, erzählte Mamoudou: "Im Wohnzimmer habe ich dann begonnen zu zittern. Ich konnte mich plötzlich nicht mehr auf den Beinen halten, musste mich erstmal setzen."

Erst vor wenigen Monaten geflohen

Der vierjährige Junge kam mit einem Schock und leichten Blessuren am Fuß davon. Sein Vater muss sich allerdings nun wegen Verletzung der Aufsichtspflicht verantworten. Er hatte seinen Sohn allein zu Hause gelassen. Gassama dagegen wird als Held gefeiert. Auch der Präsident zeigte sich überaus dankbar: "Bravo", gratulierte Macron persönlich.

Für den Afrikaner könnte die Heldentat nun das ganze Leben ändern. Der 22-Jährige ist erst vor einigen Monaten nach Italien geflohen, hat dort lediglich einen Aufenthaltstitel, der ihm die Reise nach Frankreich erlaubte. Beim Empfang am Morgen verlieh Macron ihm nun eine Tapferkeitsmedaille - doch nicht nur das. Angesichts seiner beispielhaften Tat werde Gassama die französische Staatsbürgerschaft und auch gleich einen Job erhalten, teilte der Präsident nach dem Treffen mit. Mamoudou werde Feuerwehrmann in Paris.

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