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Tonart | Beitrag vom 11.02.2020

Daniel Hope: „Belle Époque“In jedem Takt ist Spannung hörbar

Daniel Hope im Gespräch mit Carsten Beyer

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Der südafrikanische Geiger Daniel Hope auf der Bühne. (dpa/ Rolf Vennenbernd)
Daniel Hope engagiert sich gegen Rassismus und Antisemitismus und für die Beibehaltung einer Erinnerungskultur in Deutschland. (dpa/ Rolf Vennenbernd)

Furchtbare Armut, gesellschaftliche Probleme: Die Belle Époque, die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, sei nicht nur schön gewesen, sagt der Geiger Daniel Hope. Auf seinem neuen Album fängt er die Stimmung dieser Ära ein.

In der Belle Époque seien Jahr für Jahr erstaunliche Sachen passiert. Was in Europa zu der Zeit los war, habe er durchleuchten wollen, sagt der Violinist Daniel Hope im Deutschlandfunk Kultur. Die Musik sei von Sinnlichkeit, vom Schwelgen geprägt gewesen. Es sei eine Schatzkiste, die man nur auspacken müsse.

Eigentlich habe er eine Platte zum Fin de Siècle machen wollen, erzählt Hope. "Ich habe mir einen Salon von Proust vorgestellt. Was würde er hören?"

Flucht in diese schöne Musik

Doch plötzlich habe er gemerkt, das Thema sei viel größer und nicht nur auf Frankreich bezogen. Es gehe um Europa. Die Welt sei im Umbruch gewesen und es habe ihn nicht kalt gelassen, was in England, in Deutschland und in Amerika passiert ist. Heute ertappe er sich gelegentlich dabei, Parallelen zu dieser Zeit zu sehen, doch dann flüchte er sich in diese schöne Musik.

Denn auch wenn wir bei der Belle Époque von der sogenannten "schönen Epoche" sprechen, so sei vieles damals überhaupt nicht schön gewesen. Es gab furchtbare Armut, es gab gesellschaftliche Probleme und die Entwicklung ging in Richtung Krieg. Mit 1914 war die Zeit der Unschuld dann vorbei. Auf die Musik habe sich dies alles mit einer Art Spannung ausgewirkt und er bilde sich ein, dass man das in jedem Takt hört.

"Es gab Komponisten, die sich geweigert haben, nach vorne zu schauen. Die sind im 19. Jahrhundert geblieben. Dann gibt es Weber oder Berg, die diesen Aufbruch tatsächlich zelebriert haben. Und dazwischen hast du eine Konstellation, die ich faszinierend finde. Nicht nur in der Musik: auch in der Kunst, in der Wissenschaft. In so vielen Facetten, war das eine Zeit, wo so viel passiert ist. Und doch war die Welt noch einigermaßen in Ordnung, bevor es zum Zusammenbruch, zum Krieg, zum Massenmord gekommen ist."

Musik ist ein Menschenrecht

Hope engagiert sich gegen Rassismus und Antisemitismus und für die Beibehaltung einer Erinnerungskultur in Deutschland. Er bezeichnet sich als Musikaktivist und wurde für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zudem engagiert er sich für soziale Projekte.

"Mit 13 oder 14 Jahren durfte ich bei Live Music Now mitmachen", sagt er. Das sei ein Verein, bei dem junge Künstler die Möglichkeit bekämen, beispielsweise in Pflegeheime oder Krankenhäuser zu gehen und den Menschen dort Musik zu schenken.

Die Begegnung mit schwerbehinderten Kindern sei für ihn wichtig gewesen. Zu spüren, was Kunst bewirken kann, das habe ihn nie wieder losgelassen. Es ginge ihm nicht nur darum, auf der Bühne zu stehen, sondern auch zu schauen, was passiert, wenn ein Kind ein Instrument in die Hand nimmt.

Es sei spannend zu verfolgen, welchen Weg so ein Kind gehen wird. Gerade als Vater sehe er, wie wichtig Musik ist. Und deshalb glaube Hope fest daran, dass Musik ein Menschenrecht sei.

(nis)

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