Damit man beim Wetter mitreden kann

13.01.2009
Bei der Lektüre von "Wetterkunde in Zeiten des Klimawandels" bieten sich unzählige Aha-Erlebnisse: Wussten Sie etwa, dass eine Haufenwolke 200 Tonnen wiegt? Der Autor Gerhard Staguhn wendet sich mit seinem Sachbuch an Erwachsene und Jugendliche, die sich für Wetterphänomene interessieren.
Ein Jugendbuch auch für Erwachsene - diese doppelte Eigenschaft zeichnet alle Bücher des 56-jährigen Sachbuchautors Gerhard Staguhn aus und sie gilt auch wieder für sein jüngstes Werk. Diesmal hat er sich des Wetters angenommen - eines ausgesprochen komplizierten Themas, an dem sich schon viele versucht haben. Eine Erklärung fällt nicht leicht, da zahlreiche Faktoren das Wetter beeinflussen. Doch der Autor versteht es glänzend, die schwierigen Sachverhalte so darzustellen, dass sie jung wie alt gleichermaßen begreifen wie faszinieren. Selbst der Rezensent hat noch einiges dazugelernt.

Grundvoraussetzung allen Wetters ist die Tatsache, dass es eine Atmosphäre gibt, also ein Schutzhülle um die Erde, die verhindert, dass die Luft mit all ihren lebenswichtigen Gasen einfach in das All entweichen kann. Die Luft selbst besitzt durchaus Gewicht. Auch wenn unser Körper es nicht spürt, so lastet doch auf jedem Kopf ein durchschnittliches Gewicht von 280 kg.

Die Schwere der Luft spielt eine wichtige Rolle beim Wettergeschehen. Sie wird beeinflusst durch die Sonne, die letztlich für alle Wetterkapriolen verantwortlich ist, denn durch die Erwärmung der Luft, des Bodens und des Wassers ruft sie alle Wetterereignisse hervor.

Dann kommt der Wind an die Reihe, dessen Hauptrichtungen von der Erddrehung und Neigung der Erdachse beeinflusst werden. Da immerhin zwei Drittel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, spielen natürlich auch die Ozeane mit ihren warmen und kalten Meeresströmungen eine wichtige Rolle beim Wettergeschehen. Auch die Berge als Barrieren für Wind und Wolken prägen die Wetterverhältnisse.

Wetter findet aber nur bis in eine Höhe von 10 km statt. Darüber herrscht Ruhe. Darunter das Chaos. Anders kann man das Wetter wohl kaum beschreiben, denn bereits winzigste Veränderungen in Luftdruck, Windrichtung, Bodenerwärmung, Wasserverdunstung, Luftverschmutzung usw. können sich zu dramatischen Folgen aufschaukeln. Die Chaos-Theorie versucht dies zu erfassen und hat das schöne Bild vom Schmetterlingsschlag in China geprägt, der einen Hurrikan in der Karibik auslösen kann.

Angesichts der Vielzahl von Einflüssen hat Gerhard Staguhn ein überzeugendes systematisches Schritt für Schritt Vorgehen gewählt. Er beginnt bei den einfachen Grundlagen und schreitet dann zum Komplizierten fort. Nachdem er die das Wetter bestimmenden Faktoren aufgezählt hat, kommt Gerhard Staguhn dann zu jenen Ereignissen, die alle von den Wetterkarten kennen: Hoch- und Tiefdruckgebiete. Er erklärt, wie es zu Wetterfronten kommt, warum es nur im Sommer Hagelstürme gibt, wie Wirbelstürme und Gewitter entstehen, sich Feuchtigkeit in der Luft zu Wolken formt.

Die feinen Wassertröpfchen in einer Wolke sinken übrigens extrem langsam - nur einige Millimeter pro Stunde. Dabei gelangen sie irgendwann wieder in wärmere Schichten, verdunsten, kondensieren erneut. Ein ewiges Wechselspiel, das erklärt, warum sich die Wolkenformen am Himmel ständig verändern. Die Tröpfchen summieren sich zu einem beachtlichen Gewicht. Eine normal große Haufenwolke wiegt ungefähr 200 Tonnen.

Immer wieder finden sich solche überraschenden Details, die die Lektüre oft zum Aha-Erlebnis machen. Allerdings verschweigt der Autor nicht, dass die Wissenschaft noch vieles nicht ausreichend erklären kann und genaue Wetterprognosen für einen bestimmten Ort wohl niemals getroffen werden können - zu groß ist die Vielzahl der Einflüsse.

Erstaunlicherweise sind die oft verlachten Bauernregeln ziemlich zuverlässig. Ihre Trefferwahrscheinlichkeit für Zeiträume von mehreren Wochen liegt immerhin bei 65 Prozent. Die moderne Wettervorhersage mit engmaschigem Messnetz und Großcomputern kommt für die nächsten zwei Tage auch nur auf eine Genauigkeit von 85 Prozent.

Ähnlich nüchtern-sachlich und präzise beschreibt Gerhard Staguhn in seinem letzten Kapitel die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wetter. Für unsere Breiten wird es wohl in Zukunft noch schwieriger werden, das Wetter vorherzusagen. Er warnt eindringlich vor einem "Weiter so". Ein fundiertes Sachbuch zum Wetter, das in jedermanns Hand gehört, keineswegs nur eine Lektüre für Jugendliche.

Rezensiert von Johannes Kaiser

Gerhard Staguhn: Sonne, Wind und Regen - Eine Wetterkunde in Zeiten des Klimawandels
Hanser Verlag, München 2008
200 Seiten, 32 Euro