Feiern mit den Ministern

Beim jährlichen Festival Folkemøde auf der dänischen Insel Bornholm diskutieren, feiern, tanzen Politiker und Bürger gemeinsam. Von Politikverdrossenheit ist hier nichts zu spüren – im Gegenteil: Auch in diesem Jahr wurde wieder ein Besucherrekord gebrochen.
Kein Podium, kein Rednerpult, keine Bodyguards. Søren Pape Poulsen steht einfach nur da, in einem Zelt zwischen vielen anderen und spricht zu circa 100 Menschen. Erklärt ihnen, dass und warum er Gewaltverbrecher künftig härter bestrafen will. Auf dem Folkemøde, einem jährlich wiederkehrenden Politikfestival auf der dänischen Insel Bornholm, findet Politik buchstäblich auf Augenhöhe statt. Søren Pape Poulsen ist Dänemarks Justizminister.
"Das Folkemøde zeigt, wie es tatsächlich möglich ist für Politiker, auf eine Art und Weise zu agieren, wo man als ganz normaler Däne hier sich Politiker oder eine Partei aussuchen kann und dann auch hören, wie sie verschiedene Probleme lösen möchten", sagt Jeppe Pers. Er ist mit dem dänischen Grenzverband hier, der die Interessen der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein vertritt.
"Das Folkemøde zeigt, wie es tatsächlich möglich ist für Politiker, auf eine Art und Weise zu agieren, wo man als ganz normaler Däne hier sich Politiker oder eine Partei aussuchen kann und dann auch hören, wie sie verschiedene Probleme lösen möchten", sagt Jeppe Pers. Er ist mit dem dänischen Grenzverband hier, der die Interessen der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein vertritt.
Im Veranstaltungszelt des Grenzverbandes wird gerade darüber diskutiert, wie wichtig Deutschunterricht an dänischen Schulen ist. Jeppe Pers will die Chance nutzen und auf dem Festival mit möglichst vielen Vertretern politischer Parteien über diese und andere Fragen diskutieren. Gleich schräg gegenüber liegt das Zelt der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti.
"Da habe ich vor, die Politiker von Dansk Folkeparti zu fragen, wie das sein kann, dass sie die Debatte doch simplifizieren und dass sie sich das echt gut überlegen müssen, wie sie dafür argumentieren, dass eine Grenze zu Deutschland etabliert werden soll."
"Da habe ich vor, die Politiker von Dansk Folkeparti zu fragen, wie das sein kann, dass sie die Debatte doch simplifizieren und dass sie sich das echt gut überlegen müssen, wie sie dafür argumentieren, dass eine Grenze zu Deutschland etabliert werden soll."
Die Idee kommt aus Schweden
Die Idee des Folkemøde, auf deutsch Volkstreffen, kommt aus Schweden. Seit Olof Palme, späterer Ministerpräsident Schwedens, im Jahr 1968 eine improvisierte Rede auf der Insel Gotland hielt, findet dort jedes Jahr ein einwöchiges Politik-Forum statt. Das dänische Pendant ist seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2011 ein Riesenerfolg, auch bei jungen Menschen. Vereine, Parteien und Unternehmen veranstalten hier Debatten, Workshops und vieles mehr. Mittlerweile strömen an jedem der vier Tage 25.000 Besucher in das Städtchen Allinge auf Bornholm.
Das Zelt der linksliberalen Radikal Venstre ist gut gefüllt mit jungen Menschen. "Her mit den Liedern" steht gerade auf dem Programm. Dabei müssen die Teilnehmer erraten, von welcher politischen Jugendorganisation das jeweilige Lied stammt. Die Stimmung ist ausgelassen bis überdreht.

Jugendliche diskutieren auf dem Politik-Festival Folkemøde.© Miriam Arndts
Mit Leuten sprechen, die im Land was zu sagen haben
"Vorhin stand ich bei einer Diskussion und da ging unser Ministerpräsident an mir vorbei", erzählt die 18 Jahre alte Anne Sofie, die zum ersten Mal auf dem Folkemøde dabei ist. "Wir sprechen in Dänemark oft darüber, dass es ein langer Weg ist von Christiansborg, dem Sitz des Parlamentes, bis zum Volk. Hier nicht. Hier kann man mit Leuten sprechen, die in unserem Land etwas zu sagen haben."
Während Anne Sofie das sagt, muss sie grinsen, denn in diesem Moment läuft Mai Mercado, Dänemarks Kinder- und Sozialministerin an ihr vorbei - in Pulli und Jeans. Die Ministerin ist auf dem Weg zu einer Diskussion mit Sozialpädagogen. Mit 36 ist sie keine Ausnahme auf Christiansborg – weit über die Hälfte der Regierungsmitglieder ist unter 50.
"In Dänemark haben wir eine starke Tradition für Jugendpolitik", sagt Mercado. "Ich glaube nicht, dass ich in die Politik hineingekommen wäre, wenn ich erst im Alter von 25 oder 30 angefangen hätte. Ich kam mit 20 in die Jugendpolitik und bin einfach hängengeblieben. Wenn man früh den Weg in die Politik findet, bleibt man auch dabei - und dann sind eben auch junge Menschen in der Politik."
Und die, so formuliert es der Sänger einer Band auf dem Festival, müssten dann auch nicht krampfhaft einen auf jugendlich und sich damit lächerlich machen - wie es in seinen Augen so viele ältere Politiker in Europa tun, auch in Deutschland.

Politik unter blauem Himmel: Auf dem Festival Folkemøde diskutieren und feiern Bürger und Politiker miteinander.© Folkemøde / Joshua Tree Photography
Politisches Liederraten, Bier und DJ-Battle
Das Liederraten der politischen Jugendorganisationen ist mittlerweile vorbei. Anne Sofie von der "Radikalen Jugend" hat jetzt nicht viel Zeit zum Reden, sie muss weiter.
"Als Nächstes gehe ich zu einer Diskussion, an der unser Vorsitzender und andere junge Politiker teilnehmen. Und danach werde ich wohl ein Bier trinken mit meinen Freunden."
Der gesellige Aspekt ist ein wichtiger Teil des Folkemøde. Beim "Politischen DJ-Battle" am späten Abend zum Beispiel geht es nur noch im Veranstaltungstitel um Politik. Parlamentarier legen hier ihre Lieblingshits auf. Im Publikum und auf der Bühne fließt Bier in Strömen. Pernille Skipper von der linken Enhedsliste ist eine der DJs.
"In Dänemark sind wir gut darin, dorthin zu kommen, wo die Menschen sind, Politik ist nicht so weit weg. Und an einem Tag wie heute hüpfen Volksvertreter wie gestört auf der Bühne herum. Das kann man unseriös nennen, aber ich glaube es hilft den Leuten, sich mit uns identifizieren zu können und sich daran zu erinnern, dass wir ganz normale Leute sind."
"Als Nächstes gehe ich zu einer Diskussion, an der unser Vorsitzender und andere junge Politiker teilnehmen. Und danach werde ich wohl ein Bier trinken mit meinen Freunden."
Der gesellige Aspekt ist ein wichtiger Teil des Folkemøde. Beim "Politischen DJ-Battle" am späten Abend zum Beispiel geht es nur noch im Veranstaltungstitel um Politik. Parlamentarier legen hier ihre Lieblingshits auf. Im Publikum und auf der Bühne fließt Bier in Strömen. Pernille Skipper von der linken Enhedsliste ist eine der DJs.
"In Dänemark sind wir gut darin, dorthin zu kommen, wo die Menschen sind, Politik ist nicht so weit weg. Und an einem Tag wie heute hüpfen Volksvertreter wie gestört auf der Bühne herum. Das kann man unseriös nennen, aber ich glaube es hilft den Leuten, sich mit uns identifizieren zu können und sich daran zu erinnern, dass wir ganz normale Leute sind."
(lk)






