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Wortwechsel | Beitrag vom 30.10.2020

Covid-19 und humanitäre HilfeGlobale Gerechtigkeit ist nicht in Sicht

Moderation: Axel Rahmlow

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Aufgereihte Hilfsgüter stehen vor einem Flugzeug auf dem Flughafen in Zürich. (AFP / Pool / Ennio Leanza)
Zu Krankheit und Tod durch Covid-19 kommen in den Entwicklungs- und Schwellenländern verheerende wirtschaftliche Folgen. Es braucht humanitäre Hilfe. (AFP / Pool / Ennio Leanza)

Die Corona-Pandemie verschärft in vielen Ländern Armut und Not. Humanitäre Hilfe des reichen Nordens für den ärmeren Süden ist geboten - doch schon bei der Verteilung eines Impfstoffs könnte die internationale Solidarität an ihre Grenzen gelangen.

Das Coronavirus richtet in den Entwicklungs- und Schwellenländern schwere Verwüstungen an. Und zu Krankheit und Tod durch Covid-19 kommen dort verheerende wirtschaftliche Folgen: Mindestens 150 Millionen Menschen wird die Pandemie nach Schätzungen der Weltbank in extreme Armut stürzen.

"Wir brauchen globale Solidarität"

"Wir brauchen eine globale Solidarität. Wir müssen erkennen, dass gegenseitige Hilfe das Einzige ist, was uns durch diese und durch die kommenden Krisen durchnavigieren kann", sagt Chris Grodotzki von der Hilfsorganisation Sea-Watch beim Herrenhäuser Forum von Deutschlandfunk Kultur und Volkswagenstiftung.

Doch aus seiner Erfahrung mit der Flüchtlingsrettung im Mittelmeer weiß Grodotzki: Staatliche Eigeninteressen sind oft stärker als humanitäres Engagement.

Schuldenerlass für die ärmsten Länder

Dabei hat die internationale Gemeinschaft durchaus Hilfen für die Länder des globalen Südens in Aussicht gestellt. So bekommen die ärmsten Staaten einen Aufschub bei der Zahlung ihrer Schulden. Das reicht aber bei Weitem nicht, findet Katja Maurer von der NGO medico international - den Ärmsten müssten die Schulden erlassen werden.

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Ist klassische Entwicklungshilfe nach dem Motto "Der reiche Norden gibt, der arme Süden empfängt" die richtige Antwort auf die globale Pandemie? Die Diskussionsteilnehmer sind sich einig: Dieser "Top-down"-Ansatz hat sich überlebt. Die Zivilgesellschaften des Südens müssen einbezogen werden, damit Hilfe bei den Menschen ankommt und Sinn macht.

Die Arroganz des Nordens

Zumal etwa Afrika viel Erfahrung im Umgang mit Krankheiten wie Ebola oder Aids hat, von der die Länder des Nordens profitieren könnten - "wenn wir nicht arrogant nur das Wissen des globalen Nordens akzeptieren würden, sondern die Bereitschaft hätten, uns belehren zu lassen", gibt die Ethnologin Lena Kroeker zu bedenken. Zum Beispiel hinsichtlich Flexibilität, Eigeninitiative und Gemeinsinn. Und der Fähigkeit zum Improvisieren.

Eine Nagelprobe für globale Solidarität sei die Verteilung von Corona-Impfstoffen, wenn diese zur Verfügung stehen, meinen Lena Kroeker und Katja Maurer. Die Herstellerfirmen und deren Patente liegen im Norden, hier wird entschieden, wer wann wie viel Vakzin bekommt – und zu welchem Preis.

Humanität und Politik

Jenseits des Humanitären sei dies letztlich eine politische Frage, sagt der Historiker Johannes Paulmann. Und die Geschichte zeige: "Dass das Humanitäre neutral sei und unpolitisch, ist eine Fiktion."

Globale Gerechtigkeit in der Krise - die Politik humanitärer Hilfe im Zeichen von Covid-19. Darüber diskutierten am 28.10.2020 im Schloss Herrenhausen in Hannover:

Prof. Lena Kroeker, Professur für Flucht, Migration und soziale Mobilität (Vertretung), Universität der Bundeswehr München
Prof. Johannes Paulmann, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, Mainz
Katja Maurer, medico international, Frankfurt am Main
Chris Grodotzki, Sea-Watch, Berlin

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit von Deutschlandfunk Kultur und der Volkswagenstiftung.

(pag)

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