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Fazit | Beitrag vom 22.08.2020

Coronastudie in LeipzigKonzert als Laborversuch

Christoph Möller im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Bei einem Konzert sitzt ein Experiment-Helfer in orangefarbenem T-Shirt in einer der letzten Reihen und Beobachtet das Geschehen. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)
Fluoreszierendes Desinfektionsmittel, Sensoren für Laufwege, FFP2-Masken - beim Tim-Bendzko-Konzert wurde Neues erprobt. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)

Wie gefährlich sind Innenräume und Konzerte bei der Ansteckung mit Corona? Und welche Maßnahmen reduzieren das Risiko? Das haben Forscher bei einem Konzert in Leipzig untersucht. Von den geplanten 4000 Probanden kamen aber nicht einmal die Hälfte.

"Restart-19" – unter dieser Überschrift haben Forscher der Universität Halle einen Laborversuch unternommen. Es ging darum, das Covid-19-Ansteckungsrisiko bei Konzerten zu untersuchen. Dafür wurden einen Tag lang Daten von mehr als 1500 Menschen in der Arena Leipzig aufgenommen. Ziel des Feldversuchs ist, in Absprache mit der Politik kulturelles Leben wieder zu ermöglichen.

Mathematisches Modell einer Großveranstaltung

Die Distanz der einzelnen Konzertbesucher zueinander sei der wichtigste Teil dieses Feldversuches gewesen, berichtet Musikkritiker Christoph Möller. Demnach gab es drei Szenarien: Ein normales Sitzkonzert, eins, bei dem die Fans mit mehr Abstand zueinander saßen, und beim dritten Szenario am späten Nachmittag saßen die 1500 Fans verteilt auf die gesamte Halle, die für 8000 Menschen ausgelegt ist.

"Das sah schon merkwürdig aus. Ich bin kein Fan von Tim Bendzko, ich fand es trotzdem unterhaltsam. Und die Fans haben die FFP2-Masken geduldig sieben bis acht Stunden getragen", erzählt Möller. 

Ein Plan für eine neue Normalität

Die Bedeutung dieser Studie für die Konzertwirtschaft könne man gar nicht hoch genug einschätzen, so Möller. Sänger Tim Bendzko selbst verwies auf die vielen unsichtbaren Mitarbeiter im Hintergrund, die solche Konzerte möglich machen und im Moment keine Arbeit haben. Er betonte, dass man dafür Lösungen finden müsse: "Ich bin ein großer Freund davon, wenn man wieder in Richtung Normalität möchte, dass man dafür auch einen Plan erarbeitet. Für diesen Plan ist es gut, so viel wie möglich über das Problem zu wissen."

Die Stimmung in der Arena Leipzig empfand Möller als extrem gut, obwohl die Halle nicht mit den ursprünglich geplanten 4000 Probanden gefüllt war. "Ich denke aber, zu so einem Live-Erlebnis gehört Körperlichkeit mit dazu, Nähe, diese kollektive Bewegung. Ich würde Maske und Abstand schon in Kauf nehmen, aber die Aura eines Konzerts, wie wir es vor der Pandemie hatten, die bekommen wir so schnell nicht wieder."

Im Herbst sollen die Ergebnisse von Restart-19 veröffentlicht werden.

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