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Im Gespräch | Beitrag vom 17.04.2021

CoronakriseWas bedeutet die Pandemie für unsere Freundschaften?

Illustration zweier Rollschuhfahrerinnen von hinten, die händehaltend dem Sonnenuntergang entgegegen fahren. (imago / fstop images / Malte Mueller)
Wird es je wieder so sein wie früher? Corona wird zur Bewährungsprobe für Freundschaften. (imago / fstop images / Malte Mueller)

Freunde, so heißt es, sind wie ein "soziales Dorf". Corona setzt diesen wichtigen Beziehungen gerade besonders zu. Wir können uns nicht umarmen, nicht zusammen feiern. Was bedeutet das für unsere Freundschaften? Wie können wir uns nah bleiben?

Seit mehr als einem Jahr hat die Corona-Pandemie unsere Kontakte auf ein Minimum heruntergefahren. Das betrifft auch unsere Freundschaften: kaum persönliche Treffen, keine Partys, keine Umarmung. Stattdessen verabreden wir uns digital per WhatsApp, Zoom & Co zum Quatschen, Spielen, gemeinsamen Sport. Aber können Treffen am Bildschirm den direkten Kontakt ersetzen? Wie lange hält eine Freundschaft diese Distanz aus? Wie können wir einander nah bleiben? Und was können wir tun, wenn Corona eine Freundschaft zu spalten droht?

Freundschaft in Krisenzeiten

"Corona war und ist eine Bewährungsprobe für Freundschaften", sagt Wolfgang Krüger. Der Psychotherapeut beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den Themen Freundschaft und Beziehungen. "In Krisenzeiten ist der Wunsch nach intensiveren Freundschaften größer; das betrifft vor allem Herzensfreundschaften. Sie wurden in der Coronazeit meist besser. Mit unseren Herzensfreunden können wir auch telefonieren oder skypen. Wir haben so viele Begegnungen, Gespräche, Umarmungen verinnerlicht, dass wir den anderen spüren, wenn wir ihn am Bildschirm sehen oder hören." Doch solche Verbindungen seien rar, so Krüger. "In der Regel haben wir bis zu drei Herzensfreundschaften."

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Anders sehe es aus mit den eher lockeren Verbindungen: "Die Alltagsfreundschaften basieren darauf, dass wir gemeinsam etwas unternehmen, zum Beispiel beim Chor, Sport oder in der Kneipe zum Skatspielen. Da diese Anlässe wegfallen, gehen diese Freundschaften auch unter."

Sein Rat: "Man muss in der Krise kreativ miteinander umgehen, um zu gucken, wie wir die Emotionen der Herzensfreundschaft bewahren." Dazu gehörten regelmäßige Kontakte, ob beim Spaziergang, am Telefon oder beim Videochat. Warum nicht auch neue Themen finden, statt Corona-Befindlichkeit auszutauschen? "Ich habe meinen Freunden eine E-Mail geschrieben: Welchen großen Lebenswunsch hattet ihr mit 15, 16 Jahren? Habt ihr diese Ziele erreicht?" Und schon hatten sie Themen für die nächsten digitalen Treffen.

Blick auf Singles und Kinder

"Corona ist eine Art Stresstest für Freundschaften, so wie die AfD in Familien. Man muss sich in irgendeiner Form verhalten", sagt Leoni Linek. Die Soziologin von der Humboldt-Universität zu Berlin forscht unter anderem über Freundschaftsbeziehungen. "Das kann zu Konflikten führen, Ungleichheiten kommen anders zum Vorschein." Manchen gingen die Maßnahmen zu weit, andere hätten Angst vor der Pandemie und wollten daran festhalten. Das könne Freundschaften belasten, auch spalten.

Auch die Pandemie selbst habe Einfluss: "Ich bin überzeugt, dass sich die Maßnahmen, so verständlich sie auch sind, gegen Freundschaften richten. Wir haben eine Privilegierung von Paar- und Familienbeziehungen und deren Haushalten." Singles hätten angesichts der Kontaktbeschränkungen das Nachsehen. "Was ist mit denjenigen, deren Freunde ihre Familie sind?" Betroffen seien auch Kinder und Jugendliche, so die Soziologin. Für sie spielten Freundschaften und gemeinsame Aktivitäten eine große Rolle. "Diese Form von Nähe ist auch mit Snapchat oder TikTok nicht zu ersetzen."

Corona: Was bedeutet die Pandemie für unsere Freundschaften?
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9.05 Uhr bis 11 Uhr mit der Soziologin Leoni Linek und dem Psychotherapeuten Wolfgang Krüger. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.
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(sus)

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