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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.03.2020

Corona und der öffentliche RaumZufallsbegegnungen gehen verloren

Sabine Meier im Gespräch mit Ute Welty

Das Foto zeigt die Via Roma, die wichtigste Fußgängerzone im Zentrum von Turin, die menschenleer ist. Grund ist das Coronavirus. (picture alliance / dpa / Alessandro Vecchi)
Die Via Roma in Turin: Der Coronavirus sorgt dafür, dass der öffentliche Raum verwaist. Bald vermutlich auch in Deutschland. (picture alliance / dpa / Alessandro Vecchi)

Was passiert, wenn wegen der Coronakrise die Menschen zu Hause bleiben, Cafés, Straßen und Plätze veröden? Die Raumplanerin Sabine Meier hebt hervor, dass zufällige Begegnungen dann nicht mehr stattfinden. Das hat ihr zufolge erhebliche Konsequenzen.

Bilder aus Italien zeigen schon jetzt, wie deutsche Städte bald aussehen könnten: vollkommen verwaist. Wenn sich nur noch diejenigen in den öffentlichen Raum begeben, die es unbedingt müssen, wird es Geisterstädte geben.

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Man könne bereits jetzt eine "Reduktion von kollektiven sozialen Situationen im öffentlichen Raum" beobachten, sagt Sabine Meier, Juniorprofessorin für räumliche Entwicklung und Inklusion an der Universität Siegen. Als Erstes bedeute das vor allem, dass es nicht mehr so viel Zufall gebe.

Eingeschlossen in alltägliche Routinen

Der ist aber Meier zufolge wesentlich für unser Leben. Denn wer nicht mehr auf der Straße oder auch im Büro - ohne es vorher zu planen - zufällig auf Menschen treffe, werde in alltägliche Routinen eingeschlossen.

Man könne sich dann nicht mehr "in einem kreativen Sinne austauschen" und die Neugier ausleben, gibt Meier zu bedenken - man komme einfach nicht mehr auf neue Ideen durch andere Menschen: "Das wird sehr belastend werden für uns."

Wer reagiert ängstlich? Und wer nicht?

Sie beobachte seit Tagen, wie die Menschen reagierten und wie sie Abstand zueinander nähmen, sagt Meier. Die Raumplanerin interessiert sich derzeit besonders davor, welche sozialen Gruppen auf die Krise eher ängstlich reagieren und welche nicht. Ihre Beobachtung bei einem Sonntagsspaziergang in Siegen: Es seien weniger Familien als sonst auf der Straße. Viele junge Männer mit Migrationshintergrund träfen sich hingegen trotzdem noch in Cafés, um sich auszutauschen.

(ahe)

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