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Länderreport | Beitrag vom 15.04.2021

Corona-Selbsttests an Berliner SchulenSchulleiter fühlt sich allein gelassen

Marc Vehlow im Gespräch mit Nana Brink

Eine Schülerin sitzt vor einem Corona-Selbsttest. (IMAGO / Jörg Halisch)
Die Schnelltests seien zwar angekommen, aber ohne genaue Anleitungen zum Vorgehen, sagt Marc Vehlow. (Symbolfoto) (IMAGO / Jörg Halisch)

Trotz hoher Inzidenzwerte sind die Schulen geöffnet. Selbsttests der Schüler sollen Lehrenden und Lernenden Sicherheit geben. Doch wie das Testen sinnvoll durchgeführt werden soll, darüber gibt es keine Information, beklagt ein Berliner Schulleiter.

"Wir haben uns alle gewundert, dass es einfach so weitergeht wie vor den Ferien", erklärt Marc Vehlow. Er ist Schulleiter am Berliner Kant-Gymnasium. Die Oberschule in Berlin-Spandau hat rund 700 Schülerinnen und Schüler und 65 Lehrerinnen und Lehrer.

Schnelltests ohne Anleitung

Die Schnelltests seien zwar angekommen, allerdings von verschiedenen Herstellern und ohne genaue Anleitung, wie denn in den Schulen zu testen sei. Da sei man auf dem gleichen Stand wie vor den Ferien. "Wir haben auch nur die Pressemitteilung des Bildungssenats gelesen", dass die Tests verteilt werden.

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Bei der Vorgehensweise allerdings gebe es keine Unterstützung. "Wir machen das jetzt durch die Klassenlehrer. Immer montags und donnerstags in der ersten Stunde werden die Schüler bei uns getestet". Jeweils am Montag und Donnerstag findet der Wechsel statt, da die meisten Klassen geteilt unterrichtet werden, so Vehlow.

Mittelstufe seit vier Monaten im Homeschooling

Vor allem hoffe er, dass nächste Woche endlich auch die Mittelstufe, die 7. bis 9. Klasse, nach vier Monaten Homeschooling wieder in die Schule kommt. Das hätte auch früher geschehen können, denn man hätte nach den Ferien auch erst mal die 5., 6. oder die 11. Klassen per Homeschooling betreuen können.

Auch beim Thema Impfung des Lehrpersonals "ist das Frustpotenzial hoch", meint der 47-jährige Schulleiter. Nach dem Stopp der Impftermine durch die Probleme mit dem Astrazeneca-Impfstoff gebe es nach wie vor keine Lösung für die Impfung der Lehrinnen und Lehrer in der Oberschule. Der Berliner Senat hat die Impfung für das Lehrpersonal der Grundschulen vorgezogen. "Wir hören hier einfach gar nichts", klagt der Schulleiter.

Pandemie macht bekannte Defizite überdeutlich

Laut Vehlow habe die Coronapandemie die bekannten Defizite an Berlins Schulen "wie in einem Brennglas" erkennbar gemacht: fehlende Lehrkräfte, volle Klassen, mangelnde Ausstattung und schleppende Digitalisierung. "Das beklagen wir ja nun schon seit Jahren". Dass ein Jahr nach dem ersten Lockdown da nicht wirklich etwas passiert ist, sei für viele Kolleginnen und Kollegen ein Armutszeugnis.

Kritisch sieht der Schulleiter des Kant-Gymnasiums die Regelung des neuen Infektionsschutzgesetzes, dass eine Schließung der Schulen bei einem Inzidenzwert von 200 vorsieht. "Die bundesweite Regelung finde ich gut, aber die Unsicherheit im Lehrerkollegium und bei den Schülern ist bei 190 genauso hoch."

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