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Im Gespräch | Beitrag vom 20.03.2021

Corona-ImpfungWarum dauert es so lange?

Moderation: Vladimir Balzer

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Illustration einer Spritze, Bleistift und Zirkel auf einer Zielscheibe. (imago images / Ikon Images / Gillian Blease)
"Ich habe das Gefühl, dass wir nach einer sehr guten ersten Hälfte der Pandemie jetzt zu überbürokratisch sind", sagt der Journalist Georg Mascolo. (imago images / Ikon Images / Gillian Blease)

Die Corona-Impfung nährt die Hoffnung auf Normalität. Doch Deutschland hinkt bei der Impfquote hinterher: Chaos bei der Terminvergabe, zu wenig Impfstoff, Unsicherheit über die Vakzine. Und nun das Hin und Her um AstraZeneca. Was läuft da schief?

Seit dem 27. Dezember 2020 wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Doch die Kampagne verläuft mehr als holprig: Es wird zu langsam geimpft, es fehlt an Nachschub. Impfwillige verzweifeln beim Versuch, sich einen Termin zu besorgen.

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Die Folge: Deutschland hinkt beim Impftempo hoffnungslos hinterher. Bisher sind gerade einmal 3,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Hinzu kommt das Hin und Her um das Vakzin von AstraZeneca, das in dieser Woche in einem vorübergehenden Impfstopp gipfelte. Und dies angesichts der befürchteten dritten Welle.

"Ich erkenne mein eigenes Land nicht mehr"

"Ich habe das Gefühl, dass wir nach einer sehr guten ersten Hälfte der Pandemie jetzt zu überbürokratisch sind", sagt Georg Mascolo. Der Journalist ist Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung". Gemeinsam mit seiner Frau, der Journalistin Katja Gloger, hat er ein Buch über das vergangene Corona-Jahr geschrieben: "Ausbruch. Innenansichten einer Pandemie" .

Seine Beobachtung: "Ich erkenne mein eigenes Land nicht mehr." Deutschland sei bekannt für seine Organisation, doch nun zeige sich ein folgenreicher Mangel an Flexibilität, um effektiv auf die Krise zu reagieren. "In Deutschland und Europa hat man versäumt, früh Produktionskapazitäten für Impfstoffe auszubauen; das muss unverzüglich geschehen. Wir gucken immer zurück. Es ist an der Zeit, endlich vor die Welle zu kommen!"

"Wir brauchen mehr Transparenz"

"Wir müssen ein großes Vertrauen in diese Impfung haben in der Bevölkerung", sagt Wolf-Dieter Ludwig. "Wir brauchen mehr Transparenz bezüglich der Frage: Was können die Impfstoffe leisten?" Der Facharzt für Innere Medizin ist Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Das Gremium berät die Bundesärztekammer bei neuen Medikamenten und Therapien.

In Gesprächen mit Patientinnen und Patienten erlebe er viel Hoffnung, aber auch Fragen und Skepsis bezüglich der Impfstoffe und den etwaigen Nebenwirkungen, so der Mediziner. Der vorübergehende Impfstopp des Vakzins von AstraZeneca trage zur Verunsicherung bei. "Er wird dem Impf-Ziel enormen Schaden zufügen."

Seine Forderung: "Um dieser Impfskepsis zu begegnen, sollten wir alle verfügbaren Daten aus den Zulassungsstudien öffentlich zugänglich machen und eine Diskussion führen über Sinn und Zweck der Impfstrategie. Nur so werden wir erreichen, dass wir dann am Ende die meisten Leute wirklich impfen und auch irgendwann mal eine sogenannte Herdenimmunität erreichen."

Corona-Impfung – Warum dauert es so lange?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer von 9 bis 11 Uhr mit dem Mediziner Wolf-Dieter Ludwig und dem Journalisten Georg Mascolo. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.
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(sus)

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