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Interview | Beitrag vom 13.07.2021

Corona-ImpfungAufklärung statt Impfpflicht

Philipp Osten im Gespräch mit Julius Stucke

Ein Pfleger in blauem Krankenhauskittel sitzt auf einem roten Stuhl und bekommt von einem Arzt in weiß eine Impfung in den Oberarm gesetzt.  (picture alliance/dpa | Markus Scholz)
Mitarbeiter im Gesundheitssystem zählten zu den ersten, die eine Corona-Impfung bekommen konnten, so wie dieser Intensivpfleger. Sollte man sie dazu verpflichten? (picture alliance/dpa | Markus Scholz)

Frankreich führt eine Impfpflicht für Menschen ein, die im Gesundheitswesen arbeiten. Wäre das auch in Deutschland sinnvoll? Der Medizinethiker Philipp Osten findet die Diskussion derzeit populistisch. Er plädiert für einen anderen Weg.

Impfen oder arbeitslos: Darauf läuft es in Frankreich für im Gesundheitssystem Beschäftigte hinaus. Präsident Macron hat eine Impfpflicht gegen das Coronavirus für diesen Bereich angekündigt. Wer sich nicht impfen lassen will, darf dann dort nicht mehr arbeiten. Ein in Europa bislang seltener Schritt: Italien, das sehr hart von der Coronapandemie getroffen wurde, ist ihn auch gegangen. Griechenland will die Impfung für den Gesundheitssektor und die Altenpflege ebenfalls verpflichtend machen.

"Populistische Diskussion"

Die Idee, Impfen zur Pflicht zu machen, trifft in Deutschland auf Widerstand. Der Medizinhistoriker und -ethiker Philipp Osten vom Hamburger Universitätsklinikum, findet auch: Solang nicht klar sei, ob die Covid-19-Impfstoffe auch die Übertragung des Virus wirksam verhindern, sei die Diskussion über eine Impfpflicht populistisch.

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Er erinnert daran, dass in Deutschland seit dem vergangenen Jahr wieder eine Impfpflicht gilt, nachdem seit dem Ende der DDR so etwas hierzulande nicht mehr existierte: Seit dem 1. März 2020 müssen Schul- und Kindergartenkinder gegen Masern geimpft werden. Die Pflicht gilt auch für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen arbeiten: Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, Tagespflegepersonen und medizinisches Personal.

In den Medien habe die Diskussion über die Masern-Impfpflicht kaum Niederschlag gefunden, sagt Osten: "Heute wäre das undenkbar."

Pflegekräfte nicht verschrecken

Es sei möglich, dass es in Frankreich und in Griechenland mehr oder weniger große Ausnahmen von der Impfpflicht für den Gesundheitssektor geben werde, vermutet der Medizinethiker. Und er warnt, dass Pflegekräfte auch ohne Impfpflicht bereits händeringend gesucht würden: "Pflege ist etwas sehr Anspruchsvolles. Das dann mit noch mehr Verpflichtungen zu belegen, könnte nach hinten losgehen."

Um Menschen zur Impfung zu bewegen, gebe es einen viel besseren Weg als die Impfpflicht, betont Osten, nämlich Aufklärung: "deutlich zu machen: Du impfst dich nicht für den Staat."

(jfr)

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