Seit 07:05 Uhr Feiertag
Sonntag, 20.06.2021
 
Seit 07:05 Uhr Feiertag

Interview / Archiv | Beitrag vom 17.04.2020

Corona im MuseumMundschutz, Flurzettel, Klopapier

Fritz Backhaus im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Gestapelte Toilettenpapierrollen auf dem Heizkörper einer öffentlichen Toilette (imago images / Jochen Tack)
Klopapier, hier in ausreichender Menge vorhanden: Wird das Objekt der Begierde in Coronazeiten deshalb irgendwann im Museum landen? (imago images / Jochen Tack)

Das Deutsche Historische Museum denkt bereits darüber nach, welche Objekte später einmal die Coronakrise in der Sammlung abbilden sollen. Abteilungsdirektor Fritz Backhaus hat zugleich die großen historischen Linien im Blick.

Über eines sind sich viele einig: Mit der Coronapandemie beginnt eine neue Zeitrechnung. Nach der Krise wird vieles anders sein als zuvor.

Alte Zeit, neue Zeit, Umbruch: Wie lässt sich das möglichst anschaulich und in Details dokumentieren? Das Deutsche Historische Museum macht sich darüber bereits Gedanken.

"Frühzeitig die Augen offenhalten"

Fritz Backhaus, Abteilungsdirektor im Museum, sieht ein neues Sammlungsgebiet.  Es gehe nicht darum, bestimmte Objekte schon jetzt für historisch zu erklären, sagt er. Viele Objekte in einer historischen Sammlung würden erst im Rückblick in ihrer Bedeutung sichtbar. "Unsere Aufgabe ist es aber, frühzeitig die Augen offenzuhalten."

Coronavirus-NewsletterÜber verschiedene Sammlungsbereiche hinweg - wie Alltagsgegenstände, Plakate oder Fotografien - werde nun überlegt, was künftig interessant sein könnte, berichtet Fritz Backhaus. Die Coronakrise werde irgendwann ein wichtiger Teil der deutschen und auch der globalen Geschichte sein.

Die Aufgabe sei nun, Objekte zu finden, die aussagekräftig seien. Gesucht würden deswegen Dinge, die ganz konkret mit Personen, Ereignissen und Geschichten verbunden sind.

Große historische Linien

So wäre zum Beispiel der Mundschutz des Virologen Christian Drosten ein interessantes Objekt für die DHM-Sammlung, sagt Backhaus. Denn es gehe dem Museum auch um die großen historischen Linien - so sei beispielsweise eine Pestmaske aus dem 17. Jahrhundert Teil der Sammlung.

Mit ihr und einem aktuellen Mundschutz könne man zeigen, vor welchen Herausforderungen die Menschen in unterschiedlichen Zeitaltern bei Epidemien gestanden hätten.

Das Museum kümmert sich auch deswegen jetzt schon um das Thema Corona, weil es "viele flüchtige Objekte" gibt, wie Backhaus sie nennt: Dazu zählt er unter anderem die vielen Zettel, die jetzt in deutschen Hausfluren hängen. Eine Fotografin sei bereits für das Museum unterwegs, um solche Veränderungen des Alltags zu dokumentieren.

(ahe)

Mehr zum Thema

150 Jahre Metropolitan Museum - Einsame Jubiläumsfeier wegen Coronavirus
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 14.04.2020)

Corona-Solidarität in Dresden - Maskenspende aus dem Museum
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 04.04.2020)

Neuanfang im Jüdischen Museum in Berlin - Hetty Berg ist neue Direktorin
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 02.04.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Heike Geißler über die Bachmann-Jury"Das geht nicht"
Die Jury im Studio bei der Lesung von Heike Geißler. Die Schriftstellerin ist über Bildschirme zugeschaltet. (LST Kärnten / Johannes Puch)

Die Schriftstellerin Heike Geißler hat in Klagenfurt gelesen und übt nun deutliche Kritik an der Arbeit der Jury: Die Diskussion sei unfair und nicht auf den Text bezogen gewesen. Das sei aber das Mindeste, was Literaturkritik leisten müsse.Mehr

Studie zur Spaltung der GesellschaftEin Land, zwei Lager
Köpfe einer Menschenmenge am Potsdamer Platz in Berlin. Es handelt sich um eine Demo. Zwischen den Köpfen ragt ein Schild mit der Aufschrift "Dagegen" hervor. (Unsplash / Leon Bublitz)

Eine Studie zeigt, dass sich in der deutschen Gesellschaft zwei Lager polarisiert gegenüber stehen: Das Problem daran ist, dass sich eines von ihnen marginalisiert fühle und unzufrieden mit der Demokratie sei, sagt der Psychologe Mitja Back. Mehr

Schule und CoronaNoch nicht fit für den Herbst
Unterrichtsszene: In einem Klassenzimmer sieht man zwei Kinder von hinten. Sie sitzen jeweils einzeln an einer Bank und blicken nach vorne zur Tafel, neben der ihre Lehrerin steht. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleu)

Im Herbst könnten die Infektionszahlen wieder steigen. Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband mahnt, die Schulen bis dahin mit Luftfilteranlagen und schnellem Internet auszustatten: Distanzunterricht könnte wieder notwendig werden.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur