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Kommentar | Beitrag vom 27.03.2020

Corona-AppDie Freiheit zur Selbstüberwachung

Von Johannes Kuhn

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Ein Mann steht am Straßenrand in einer Stadt, ein Smarthone in der Hand. Er schaut Richtung Betrachter, sein Gesicht ist allerdings vom Gegenlicht überblendet.  (Aidan De La Paz / Unsplash.com)
Auch eine freiwillige Corona-App würde den Einzelnen auf Schritt und Tritt überwachen. (Aidan De La Paz / Unsplash.com)

Gesundheitsminister Jens Spahn überlegt, Coronainfizierte anhand von Handydaten zu überwachen, um Infektionsketten zu erkennen. Eine Alternative wäre eine App, mit der jeder selbst entscheidet, ob er sich tracken lässt. Doch das funktioniert nur, wenn fast alle mitmachen.

Selbst- und Kontaktüberwachung, per App. Ganz ehrlich: Das ist mir lieber, als die unausgegorene Idee von Gesundheitsminister Jens Spahn, die Regierung Handydaten aus Funkzellen auslesen zu lassen. Und mir dann eine Warn-SMS zu verschicken, wenn 500 Meter entfernt jemand mit Coronavirus vorbeigelaufen ist.

Gut, jetzt gibt es wahrscheinlich die Datenschutz-Fundis, die sagen: Moment mal, wir trainieren hier eine Gesellschaft, sich datenmäßig nackig zu machen. Kleine Nachricht dazu: Das machen wir schon die ganze Zeit, aber eben für Privatfirmen, für Google, Facebook und Co.

Es geht auch um das Gefühl von Sicherheit

Wir sollten uns aber eines klar machen: Nämlich, dass es nicht nur um die Eingrenzung des Virus geht. Sondern auch um das Gefühl von Sicherheit. Wer das Gefühl hat, die Situation nur in den Griff zu kriegen, wenn er über seine Kontakte ein digitales Logbuch führt: gut.

Coronavirus-NewsletterAllerdings müssen wir auch ehrlich sein: Die Gefahr ist groß, dass das Projekt eben nicht funktioniert. Denn eigentlich hängt alles davon ab, dass fast alle dabei sind. Was in einem so großen Land wie Deutschland unrealistisch ist. Aber das ist der Preis der Freiheit.

Selbst über die eigenen Daten entscheiden

Also, nehmen wir die Freiheit zur Selbstüberwachung wahr. Oder auch nicht. Ich finde es gut, wenn wir selber entscheiden können, was mit unseren Daten passiert. Ob wir die App herunterladen, andere dazu ermuntern oder sagen: Nein, das will ich nicht. Das ist europäisch, das ist humanistisch.

Die digitale Selbstüberwachung alleine wird das Virus nicht besiegen. Aber vielleicht unsere Ängste. Und das ist vielen Menschen gerade ziemlich viel wert.

Kommentar

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