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Fazit | Beitrag vom 12.05.2018

Corinna Harfouch spielt Marine Le PenÜberdreht, chaotisch, laut und beliebig

Von Stefan Keim

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(Marcel Keller)
(Marcel Keller)

Marine Le Pen wird Präsidentin in Frankreich – das ist die Ausgangssituation im Comicband "Die Präsidentin", der jetzt bei den Ruhrfestspielen für die Bühne adaptiert wurde. Ein Abend, der unerträglich beginnt – und nicht besser wird.

Am Anfang wird geräumt. 10, 15 Minuten lang. Die Schauspieler stellen Musikinstrumente von einer Ecke der Bühne in die andere, ziehen sich um, rollen Stellwände umher. Das geht so lange, bis das Publikum sich zu Wort meldet. Dann antwortet Corinna Harfouch, das sei nun mal Tanztheater, das Räumen habe eine Bedeutung.

Wahl zur Präsidentin

Eigentlich sollte an diesem Abend eine Uraufführung stattfinden, die Bühnenfassung des Comics "Die Präsidentin" von Francois Durpaire und Farid Boudjellal. Irgendwann nähert sich die Aufführung diesem Thema. Marine Le Pen wird zur französischen Präsidentin gewählt.

(Nilz Böhme) (Nilz Böhme)

Alle Darsteller haben die Gesichter wie Clowns geschminkt. Sie watscheln, brüllen und brabbeln, faseln vom Plaparlament und von den Publikanern, von denen sie einige für sich gewinnen müssen. Die neue Regierung wird von Herrn Frosch und anderen Menschen mit Tiernamen gebildet. Alfred Jarrys Groteske "Roi Ubu" scheint  die Inspirationsquelle zu sein.

(Nilz Böhme) (Nilz Böhme)

Mit der Graphic Novel, deren Bearbeitung angekündigt war, hat die Inszenierung von Cornelia Crombholz überhaupt nichts zu tun. Im Comic wird präzise durchgespielt, was hätte passieren können, wenn Marine Le Pen die Wahl 2017 gewonnen hätte. In schwarz-weißen, sehr realistischen Bildern.

Alles überdreht

Auf der Bühne ist nun alles überdreht, chaotisch, laut und beliebig. Der Ausstieg aus der EU, die Fremdenfeindlichkeit, die Abschottung der Grenzen – all diese Themen kommen vor, aber meist gehen sie in schwer verständlichem Gebrüll und hektischen Clown-Choreographien unter.

Irgendwann tritt Corinna Harfouch wieder an die Rampe und erklärt die zweieinhalbstündige, pausenlose Inszenierung. Es sei alles so kompliziert, man blicke da auch nicht mehr durch, und Donald Trump werde ja  oft als Horrorclown bezeichnet, deshalb spielten sie Clowns. Die anderen Schauspieler erzählen, was sie aus der Tagesschau behalten haben und wie schwierig es ist, Biolebensmittel einzukaufen, wenn man nahe beim Aldi wohnt.

Die politischen Inhalte dienen lediglich als Alibi für ein Schwitz- und Schreitheater, bei dem sich die Schauspieler mit Begeisterung verausgaben. Leider merkt man, wie toll sie sich dabei fühlen. Da ist kein Schrecken, keine Verstörung, nicht der Ansatz einer Analyse zu spüren. Die Magdeburger Aufführung wirkt wie ein außer Kontrolle geratener Theaterworkshop, inhaltlich belanglos, aufdringlich, ohne jedes Formbewusstsein. Ein Abend, der unerträglich beginnt – und dann immer schlechter wird.

Weitere Aufführungen bei den Ruhrfestspielen am 14. und 15. Mai, ab 2. Juni im Theater Magdeburg.

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