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Konzert / Archiv | Beitrag vom 30.05.2019

Concerto Köln spielt SpätromantikIn Wagners Welt

Moderation: Olaf Wilhelmer

Die Musiker stehen mit ihren Instrumenten vor einer roten Backsteinwand. (Concerto Köln)
Die Meister der Alten Musik haben Lust auf Wagner und Bruckner (Concerto Köln)

Große Sinfonik mit einem Orchester aus der sogenannten Alte-Musik-Szene: Es ist ein spannendes Musikabenteuer, das das Concerto Köln mit dem Dirigenten Kent Nagano im Projekt "Wagner-Lesarten" angeht - mit den Wesendonck-Liedern und Bruckners 3. Sinfonie.

Das Ensemble Concerto Köln ist bekannt für seine spezialisierten Aufnahmen aus dem "Alte-Musik-Bereich". Doch ein neuer Trend in der Szene macht sich bemerkbar: die Neugier und der Mut, sich mit diesem Instrumentarium der romantischen Musik zu nähern. Damit wird der Blickwinkel erneuert. Die Musik wird nicht mit den Instrumenten der heutigen Zeit wiedergegeben, sondern man greift auf jene zurück, von denen die Komponisten der Romantik umgeben waren, durch die ihre Klangästhetik bestimmt wurde.

Romantik neu gehört

Concerto Köln hat nun ein mehrjähriges Projekt aufgelegt: "Wagner-Lesarten". Für die künstlerische Leitung wurde der Dirigent Kent Nagano gewonnen, mit dem das Ensemble Richard Wagners "Ring des Nibelungen" sowie das Umfeld der Wagnerschen Musik ausführlich erkundet.

Porträt des Dirigenten vor einem leuchtend gelben Hintergrund. (Kent Nagano / Felix Broede)Kent Nagano sucht den historischen Klang für Wagner und Bruckner. (Kent Nagano / Felix Broede)
An diesem Abend liegt der Fokus zunächst auf Wagners Liedern nach Mathilde Wesendonck. Die hochgebildete und begüterte Familie Wesendonck gewährte dem nach der 1848er Revolution politisch verfolgten Wagner und seiner Frau Asyl auf ihrem Anwesen in der Schweiz. Diese Nähe beflügelte sowohl den Komponisten als auch seine Mäzenin: Mathilde Wesendonck wurde die Muse Wagners, der gerade an seiner Oper "Tristan und Isolde" schrieb. Und so verwundert es nicht, dass "Tristan"-Anklänge in den Vertonungen der Gedichte aufscheinen. Die stürmische Liebesgeschichte war nicht von Dauer, wenngleich sie weniger dramatisch als auf der Bühne endete: Es kam zum Eklat, Wagners reisten ab, das Werk wurde in Venedig vollendet.

Bruckner neu befragt

Im Anschluss dann: Anton Bruckners Dritte Sinfonie. Diese legte er, gemeinsam mit der Zweiten, Richard Wagner vor und fragte ihn, welche der beiden er ihm widmen dürfe. Wagner wählte die Dritte - nicht unbedingt zum Vorteil Bruckners, dem oft vorgeworfen wurde, Wagner-Epigone zu sein.

Aber das Werk, das Bruckner mehrmals revidierte, spricht weniger vom Menschen als vielmehr vom Komponisten Bruckner, der Wagner rezipierte, aber nicht imitierte. Bruckners Musiksprache ist eine ganz eigene - und sie klingt in diesem Konzert auch ganz eigen: groß, aber nicht riesig besetzt, mit Instrumenten des 19. Jahrhunderts, eingebettet in eine andere Aura. Das Ergebnis ist nicht volltönend-überwältigend, sondern klangfarbenreich und trennscharf.

Im Rahmen der Sendung spricht Olaf Wilhelmer sowohl mit Kent Nagano als auch mit dem wissenschaftlichen Leiter der "Wagner-Lesarten", Kai Hinrich Müller, und seiner Mitarbeiterin Rika Eichner.

(cdr)

Aufzeichnung des Konzertes vom 16.05.2019 in der Kölner Philharmonie

Richard Wagner
Fünf Lieder nach Gedichten von Mathilde Wesendonck (Bearbeitung für Stimme und Orchester von Felix Mottl)

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 3 d-Moll (3. Fassung 1889)

Sophie Harmsen, Mezzosopran
Concerto Köln
Leitung: Kent Nagano

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