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Kompressor | Beitrag vom 07.09.2020

Comic über US-Wahl 2016Gespaltene Familie, gespaltene Nation

Barbara Buchholz im Gespräch mit Massimo Maio

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Ausschnitt aus dem Comic "Ausnahmezustand": US-Präsident Donald Trump. (James Sturm / Reprodukt)
Der Comic "Ausnahmezustand" erzählt in leisen Tönen vom eigentlich so lauten US-Wahlkampf im Jahr 2016. (James Sturm / Reprodukt)

Als Donald Trump 2016 zum US-Präsidenten gewählt wurde, war das für viele ein Schock. In seinem Comic "Ausnahmezustand" greift James Sturm diese Fassungslosigkeit auf und verschränkt sie mit der Trennungsgeschichte eines Paares.

"Es ist die Geschichte einer Liebe und Entfremdung, aber vor dem Hintergrund dieses Wahlkampfs", sagt Kritikerin Barbara Buchholz über den neusten Comic von James Sturm. Das Buch "Ausnahmezustand" handelt von einer Familie mit zwei Kindern, die in der Zeit der US-Präsidentschaftskampagne 2016 zerbricht.

Das Geschehen ist sehr persönlich aus der Perspektive des Vaters geschildert: Mark muss sich um seinen Job und seine zwei kleinen Kinder kümmern. Die leben abwechselnd bei ihm und bei seiner Frau Lisa, die sich kürzlich von ihm getrennt hat.

Clinton gegen Trump

Parallel zu der persönlichen Entfremdung des Paares vollzieht sich auch eine politische Entfremdung der beiden. Haben sie zunächst Bernie Sanders bei seiner Kandidatur als Bewerber der Demokraten unterstützt, schwenkt Lisa nach dessen Niederlage bei den Vorwahlen ins Lager Hillary Clintons. Mark zweifelt, verabscheut er Clinton doch als Vertreterin des politischen Establishments.

Ausschnitt aus dem Comic "Ausnahmezustand": Kind diskutiert mit seinem Vater über Trump und die US-Wahl 2016. (James Sturm / Reprodukt)Politische Diskussion mit dem Kind im Auto: "Ausnahmezustand" ist aus der Sicht des Familienvaters geschildert. (James Sturm / Reprodukt)

Klingt der deutsche Titel des Comics, "Ausnahmezustand", sehr dramatisch, ist der Originaltitel "Off Season" ("Nebensaison") sehr viel zurückhaltender – und kommt der Machart des Buchs damit näher. Im Querformat, mit wenigen großen Bildern, die ausschließlich in blau-grau gehalten sind, erzählt Sturm die Geschichte leise und ohne große Effekte. "Das bringt ganz große Ruhe in die Erzählung", sagt Buchholz. Und stelle damit einen Kontrast zu den geschilderten Ereignissen her.

Trump mit Hundenase

Ähnlich wie sein 2011 erschienener Comic "Markttag" ist das neue Buch von Sturm eine eher "leise Geschichte", die Beobachtungen menschlicher Beziehungen in den Mittelpunkt rückt. Dabei bedient sich Sturm einer Besonderheit: Alle Protagonisten kommen als Tierfiguren, als anthropomorphe Hunde daher.

"Das wirkt aber überhaupt nicht lustig oder befremdlich. Es erzeugt aber trotzdem eine Art Distanzierung", so Buchholz.

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So verhalten und niederdrückend die Geschichte auch sein mag, am Ende gibt es doch Hoffnung: Auf ungefähr 15 Seiten ist eine Katze zu sehen, die langsam, mit zahlreichen Verrenkungen einen Haarballen hochwürgt.

Im Text wird dazu gleichzeitig erzählt, wie es mit Mark und Lisa weitergeht. Die Hoffnung auf einen Neuanfang scheint zu bestehen: wenn auch nicht im Politischen, so doch zumindest in Hinblick auf die persönliche Geschichte der Familie.

(lkn)

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