Kommentar zum Klimaschutz: Gute Luft als Geschäftsmodell

Der CO2-Emissionshandel ist ein wichtiges Instrument für den Klimaschutz. Es wäre sinnvoll, ihn auszuweiten und damit beispielsweise Land- zu Moorwirten zu machen. Doch in Brüssel hat man das noch nicht verstanden.
Dass ein gesundes Klima nicht mehr umsonst zu haben ist, merken wir immer dann, wenn uns die Kosten der Erderwärmung einholen: zum Beispiel in Form von gesunkenen Ernteerträgen und steigenden Lebensmittelpreisen nach monatelangem Hitzewetter. Schreckensvorhersagen wie ein Abrutschen der globalen Wirtschaftsleistung um bis zu 26 Prozent bei einer Erderwärmung von drei Grad sind derzeit ziemlich aktuell.
Längst ist das Klima zu einem ökonomisch relevanten Produktionsfaktor geworden. Europa hat das vor 20 Jahren bereits begriffen und eine Obergrenze für den CO2-Gesamtausstoß festgelegt, die jährlich gesenkt wird und so bis 2050 zur Klimaneutralität der Treibhausgase beitragen soll.
Unternehmen erhalten seither ein CO2-Kontingent in Zertifikaten. Übersteigen ihre Emissionen ihr Kontingent, können sie denen, die sauberer produzieren, überschüssige Zertifikate ab- und sich so freikaufen. Durch diesen Mechanismus hat Europa für die Vermeidung von Luftverschmutzung ein Geschäftsmodell kreiert, mit dem Geringverschmutzer sogar Geld verdienen können.
Geld für das Nichtabholzen des Regenwalds
Spiegelbildlich müsste es doch endlich gelingen, auch die Produktion guter Luft zu einem Business Case zu machen. Ein theoretisches Beispiel: Die Welt kann zum Schutz des Klimas auf die luftreinigende Leistung des Amazonas-Regenwalds nicht verzichten. Sie könnte sich also zusammentun und den Regenwaldländern dafür, dass der Regenwald nicht abgeholzt wird, einen Preis bezahlen.
Ist der Preis nur attraktiv genug, wäre es ein leichtes, aus Ackerbauern Regenwaldschützer zu machen, die fortan statt für Getreide und Rinder für gute Luft entgolten würden. Weil die internationale Staatengemeinschaft hier aber nicht an einem Strang zieht, und weil es im Falle eines solchen Modells immer Länder geben wird, die sich wie Trittbrettfahrer verhalten, ist so ein globaler Deal derzeit nicht durchsetzbar.
Moore können viel CO2 aufnehmen
Anders könnte das in Deutschland aussehen. Nehmen wir hier nicht die Wälder, sondern die vielen trockengelegten Moore als Beispiel – alles Flächen, auf denen Landwirte derzeit Ackerbau betreiben. Die Rückumwandlung der Flächen in Moore ist inzwischen ein politisches Ziel, weil der CO2-Effekt daraus so hoch ist. Erstens: Trockengelegte Moore sind wahre Kohlendioxid-Schleudern, mehr sogar als ehemalige Regenwaldböden. Zweitens können funktionierende Moore im Vergleich zu Wäldern ein Vielfaches an CO2 aufnehmen.
Doch ungeachtet staatlicher Planung und Fördergeldern in Milliardenhöhe kommt die Renaturierung kaum voran, weil das Gros der Landwirte ihr dafür in Frage kommendes Agrarland partout nicht wieder unter Wasser setzen will. Förderung hin oder her – für sie rechnet sich das nicht. Mit Getreide- oder Maisanbau verdienen sie deutlich mehr. Fördergelder allein können den Einkommensausfall nicht ausgleichen. Warum?
Ohne Nachfrage kein Geschäft
Den Landwirten, die zur Moor-Bewirtschaftung übergehen könnten, fehlt die Nachfrage. Für ihre Leistung, zur Luftreinigung beizutragen, gibt es – noch – keinen validen Markt. Unverständlicherweise erkennt die EU wiederhergestellte Moore für den zertifizierten Kompensationshandel nicht an. Das heißt: Kein Unternehmen, das seinen übermäßigen CO2-Ausstoß ausgleichen muss, kann Moorwirten ihre gute Luft abkaufen. Und ohne Nachfrage entsteht nun mal kein Geschäftsmodell.
Auf dem deshalb noch sehr kleinen Markt für Moorluft tummeln sich deshalb bisher nur Umweltliebhaber, die ihren persönlichen CO2-Abdruck neutralisieren wollen und freiwillig in Moore investieren. Für die Unternehmen aber, die der EU-weiten CO2-Deckelung unterliegen, bleibt diese Form der Kompensation bisher ausgeschlossen. Schade, das Brüssel hier wenig Einsicht zeigt. Gute Luft ist ein Produktionsfaktor. Geschäftsmodelle damit könnten so einfach sein.


























