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Studio 9 | Beitrag vom 18.06.2018

Christos "Mastaba" in LondonEine Pyramide aus Öltonnen

Von Thomas Spickhofen

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(imago/i Images)
Christo-Projekt "The Mastaba" schwimmt im Londoner Hyde Park (imago/i Images)

Im Londoner Hyde Park schwimmt eine riesige Pyramide aus Ölfässern. "Mastaba" heißt dieses Kunstwerk des Künstlers Christo. Mastaba ist auch das Wort für altägyptische Grabbauten. Nicht jedem gefällt die knallbunte Installation.

7506 leere Ölfässer, quer aufeinandergelegt, 20 Meter hoch, eine oben abgeschnittene Pyramide, mehr ein Trapez, und die Fässer bunt angemalt, an den Außenwänden rot und weiß, die Seiten knallig rot, violett und orange: Das ist "The Mastaba". Mehr als 50 Jahre hat Christo gebraucht, um dieses Projekt endlich zu realisieren. Geht herum, sagt der 83-Jährige, seht es Euch an, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Ich hoffe, ihr habt Spaß daran, fügt Christo noch hinzu. Drei Millionen Pfund kostet den Künstler das Projekt, alles finanziert aus seiner eigenen Tasche, erklärt Christo.

Seit Anfang April wurde "The Mastaba" aufgebaut. Für drei Sommermonate ist die schwimmende Pyramide jetzt der Blickfang auf der Serpentine, dem See im Londoner Hyde Park. Die Idee sei vor zwei Jahren entstanden, erzählt Hans Ulrich Obrist, künstlerischer Direktor der Serpentine Gallery.

"Er hat hier einen sehr schönen Vortrag gehalten, wir haben einen Spaziergang gemacht im Park, er hat auf einmal auf der Brücke gestoppt, hat auf diesen Punkt gezeigt und hat gesagt: hier."

Gemischte Reaktionen

600 Tonnen ist "The Mastaba" schwer, 32 Anker halten sie auf ihrer Stelle mitten in der Serpentine. Die Reaktionen sind gemischt. Bianca aus Schottland hat noch nie von Christo gehört und weiß nicht so recht, was sie von dem Klotz im See halten soll.

"Hat das eine Funktion oder ist das einfach Kunst?"

Nick ist oft im Hyde Park joggen, er findet "The Mastaba" ganz schön, diese knalligen Farben vor den Bäumen des Parks.

"Ich finde, mit den wunderschönen Bäumen dahinter und den knalligen Farben, das gefällt mir auf jeden Fall."

Der Künstler Christo im Londoner Hyde Park vor seiner Skulptur "The Mastaba" (imago stock&people)Der Künstler Christo im Londoner Hyde Park vor seiner Skulptur "The Mastaba" (imago stock&people)

Monica aus Argentinien hat 45 Jahre hier gewohnt, direkt am Hyde Park. Ich habe mich auch ohne dieses bunte Monstrum wohl gefühlt, sagt sie:

"Ich finde das irgendwie wie einen Einbruch. Ich verstehe das Teil nicht besonders."

"Jede Interpretation ist zulässig"

Der Künstler selbst kann ihr dabei allerdings auch nicht helfen. Er wolle mit dieser Installation gar nichts Besonderes sagen, sagt Christo.

"Jede Interpretation ist zulässig, negativ oder positiv, alles regt zum Denken an, und das macht uns Menschen aus, dass wir denken." (Applaus)

"The Mastaba" im Londoner Hyde Park ist noch bis zum 23. September zu sehen, die dazu gehörende Ausstellung in der Serpentine Gallery bis zum 9. September.

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