Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 18.10.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.12.2014

Christoph Hein"Die Natur ist mir heilig"

Von Georg Gruber

Podcast abonnieren
Porträtfoto von Christoph Hein (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)
Der Schriftsteller Christoph Hein am 10.04.2013 in Chemnitz, wo er mit dem "Internationalen Stefan-Heym-Preis" ausgezeichnet wurde (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Dem Schriftsteller Christoph Hein ist die Schöpfung heilig. Damit meint er vor allem die Natur: Berge, Wälder und Seen. Doch die Umwelt ist in Gefahr, sagt Hein. Er befürchtet dramatische Folgen für die ganze Menschheit.

Christoph Hein (70) ist Schriftsteller:

"Was mir heilig ist - da würde ich dann doch zu dem alten Text, zu dem alten Buch, zu der Bibel zurückgehen: Es ist die Schöpfung. Und das meine ich jetzt nicht im kirchlichen und nicht im Sinne eines Gläubigen, sondern einfach was das Geschaffene ist, die Natur. Und wir versündigen uns ständig an ihr und dieses Versündigen könnte unsern Tod bewirken."

"In dem unendlichen Weltall wird es wahrscheinlich mehrere Sterne geben, wo es Leben gibt oder gegeben hat. Und das wieder erloschen ist. Vermutlich wird das auch auf unserer Erde irgendwann mal erlöschen. Aber so lange wir diese Schöpfung haben, solange wir diesen Kreislauf der Natur und diese Veränderung der Natur haben, sollten wir begreifen, dass das etwas Heiliges ist. Etwas, was uns hilft, was uns ermöglicht, hier zu existieren. Und es ist eine Schöpfung von einer kaum zu begreifenden Schönheit."

"Ich fürchte, dass wir zu spät reagiert haben"

"Ich denke, es geht uns allen so, dass wir immer wieder von irgendwelchen Naturgegenden völlig ergriffen sind. Ob das die Berge sind oder das Meer, ob es die Wälder sind oder wenn wir Tiere, frei lebende Tiere erleben. Das berührt uns, glaube ich, alle zutiefst. Ich bin eigentlich jedes Jahr an der See, Ostsee oder Nordsee, das ist ein hinreißendes Schauspiel, das zu erleben. Aber es sind eben auch jetzt hier die Landschaften Sachsens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs, diese Wälder, allein die Umgebung von Berlin, das finde ich ganz grandios und bewundernswert. Ich kenne keine europäische Hauptstadt, die eine derart schöne, waldreiche und seenreiche Umgebung hat wie Berlin. Das ist eine große Kostbarkeit."

"Ich persönlich fürchte, dass wir zu spät reagiert haben, und dass wir noch immer zu spät und unlustig reagieren. Im Sommer des Jahres hatte Obama versucht diese CO2-Werte in den USA zu reduzieren und es gab einen riesen Aufstand, weil das, was möglicherweise die Menschheit und Welt rettet, kostet 10.000 Arbeitsplätze. Und wir sind halt nicht bereit, Veränderungen hinzunehmen, die uns Geld kosten."

"Es kann sein, dass wir diese Erde vernichten"

"Also eigentlich wollen wir doch jedes Jahr etwas besser leben als im Vorjahr. Wir tun immer noch so, als seien die Schätze der Welt unendlich. Und die Welt ist endlich, auch die Schätze sind endlich. Wir werden eines Tages alles ausgebeutet haben. Wir haben dann immer noch die Hoffnung, dass es, weil es doch immer gut gegangen ist, dass wir es dann auch noch schaffen werden. Aber das muss nicht sein. Eine Sache, die immer wieder gut ging, das ist keine Garantie, dass das in alle Ewigkeit so festgeschrieben ist. Es kann durchaus sein - und dann werden wir selber die Schuldigen sein - dass wir diese Erde vernichten."

"In dem Moment, wo eine Kostbarkeit gefährdet ist, begreift man erst richtig ihre Bedeutung."

Mehr zum Thema:

70. Geburtstag - Eine Buttercremetorte und die Wirkung von Literatur
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 08.04.2014)

Prominente erzählen - Was ist Ihnen heilig?
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 25.12.2014)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsStreaming ist das neue Fliegen
Eine junge Frau schaut nachts in ihrem Bett liegend auf ihr Tablet und lächelt. (Antonio Guillem / Panthermedia / imago-images)

Der "Tagesspiegel" beschäftigt sich mit der ganz und gar nicht CO2-neutralen Film- und Clubszene. Zwar wolle man dort "grüner" werden, es werde aber mehr geredet als getan und "nach wie vor steigt der CO2-Ausstoß der Branche", lautet das Resümee.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur