Sonntag, 26.01.2020
 

Interview | Beitrag vom 27.11.2019

Christian WarlichDer König der Tätowierer

Ole Wittmann im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Christian Warlich tätowiert einen Mann um 1930 (Stiftung Historische Museen Hamburg)
1930: Christian Warlich bei der Arbeit. (Stiftung Historische Museen Hamburg)

Er gilt als der "Urvater der deutschen Tattoo-Szene" und stach seine Bilder im Hamburger Stadtteil St. Pauli unter die Kundenhaut: Nun wird Christian Warlich in seiner Heimatstadt mit der Ausstellung "Tattoo-Legenden" gewürdigt.

Laut einer Studie der Universität Leipzig ist jede/r fünfte Deutsche tätowiert. Und alle haben ihre Tattoos ein Stück weit auch Christian Warlich zu verdanken, denn der gilt als der Urvater der deutschen Tattoo-Szene. Ab 1919 stach er im Hamburger Stadtteil St. Pauli Bilder unter die Haut. Nun ist in Hamburg die Ausstellung "Tattoo-Legenden" zu sehen - mit Warlichs Werk im Mittelpunkt.

Ole Wittmann ist Kurator der Ausstellung, er hat Warlichs Nachlass erforscht. Christian Warlich habe sich mit Recht als "König der Tätowierer" bezeichnen dürfen, sagt Wittmann. Sein Stil sei die westlich-traditionelle Tätowierung gewesen, aber natürlich habe er auch eine eigene künstlerische Handschrift gezeigt, was man schon an seinen Vorlagezeichnungen erkennen könne.

Motive für Tätowierungen aus dem Vorlagealbum von Christian Warlich (Christoph Irrgang)Motive für Tätowierungen aus dem Vorlagealbum von Christian Warlich (Christoph Irrgang)

Die Ausstellung zeigt das Schaffen Warlichs in allen Facetten, aber auch Tätowierungen aus der Zeit vor ihm, um 1900. Es geht um seine Biografie, über die man bisher wenig wusste, doch im Mittelpunkt steht sein Vorlagealbum, das relativ bekannt ist. Außerdem zieht "Tattoo-Legenden" einen Vergleich mit Tätowierern im Ausland, mit denen sich Warlich austauschte. Schließlich wird die Praxis der Tattoo-Entfernung thematisiert – auch auf diesem Gebiet war Warlich ein Pionier.

Sind Tattoos nicht längst Mainstream?

Ole Wittmann, der seine Doktorarbeit über Tätowierungen schrieb, hat selbst zwei Tattoos, die von Warlich inspiriert sind: "ein von einer Schlange umwundener Dolch auf dem Schienbein und ein Drachenkopf über meinem Knie." Sind Tätowierungen nicht inzwischen Mainstream und damit langweilig geworden? Wittmann: "Es gibt tatsächlich Leute, die sagen, es ist heutzutage spannender, kein Tattoo zu haben, weil die meisten Leute eines haben. Aber es gibt ja ganz unterschiedliche Gründe, warum man sich tätowieren lässt – und dabei spielt es oft ja auch gar keine Rolle, ob andere Menschen ein Tattoo haben oder nicht."

(cre)

Die Ausstellung "Tattoo-Legenden" läuft bis zum 25. Mai 2020 im Museum für Hamburgische Geschichte.

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