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Frühkritik | Beitrag vom 08.09.2017

Christian von Ditfurth: GiftflutAction satt – ohne Handbremse

Von Thomas Wörtche

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"Giftflut" von Christian v. Ditfurth  (Verlag Carl’s Books/picture alliance/dpa/Foto: Thomas Uhlemann)
Christian von Ditfurth: Giftflut. Er spielt in Berlin. (Verlag Carl’s Books/picture alliance/dpa/Foto: Thomas Uhlemann)

Christian von Ditfurths Chaos-Thriller mit dem mehrdeutigen Titel "Giftflut" lässt es lustvoll krachen, lobt unser Kritiker. Auch wenn der Roman überzeichnet, bietet er eine glaubhafte Zeitdiagnose.

Eigentlich kann man Europa ganz einfach lahmlegen. Eine paar clevere, strategisch kluge Anschläge – auf die Wasserversorgung der Großstädte, auf wichtige Brücken und Tunnel in Paris und London, auf das Berliner Kanzleramt etwa – und sofort kollabieren "die Märkte", das Finanzsystem kommt ins Schleudern, Chaos, Hektik und Hysterie allerorten. Nur gut, dass es den wunderlichen, exzentrischen Berliner Kommissar Eugen de Bodt gibt, der mit einer sehr gemischten, (durchaus auch finsteren) und multinationalen Truppe und abseits aller normalen Dienstwege und Routinen letztendlich dann doch genialer ist, als die extrem professionellen Supergangster, die die europäischen Hauptstädte in Trümmer legen und abertausende von Menschen töten. Denn auch die Supergangster sind verwundbar und arbeiten für eine Macht, die unantastbar zu sein scheint und von dem Schrecken profitiert.

Vergnügliche Dynamik

Christian von Ditfurths Chaos-Thriller mit dem sehr schön mehrdeutigen Titel "Giftflut" lässt es lustvoll krachen. Action satt, ohne Handbremse, starke satirische Passagen über das bei aller (Überwachungs-) Technologie so uneffektive Sicherheitssystem und seine politischen Implikationen, mit witzigen, bösen Dialogen und einem lakonischen, sarkastischen Humor. Und mit einem großartigen, dem Hauptplot gegenläufigen Erzählstrang, der zeigt, was ein grimm entschlossener IT-Nerd mit seinem Rucksack gegen fiese HighTech-Gangster ausrichten kann.

Der Roman steckt voll aktueller Themen, die die Sollbruchstellen einer prekär gewordenen "Ordnung der Dinge" nachgerade hellseherisch herauspräparieren - und setzt sie in bunte, extrem vergnügliche Action und Dynamik um, indem er vor ziemlich gemeinen Szenarien gerade nicht zurückschreckt. Die dramaturgische Konsequenz, mit der Ditfurth seinen Plot durchzieht, ist eine schöne Tugend von "Giftflut". Auch wenn der Roman überzeichnet, bietet er eine ziemlich realitätstüchtige Zeitdiagnose, die auch zu einer grusligen Prognose über den Lauf der Dinge taugt. Diese dialektische Volte ist Christian von Ditfurth blendend gelungen.

Christian von Ditfurth: Giftflut. Roman.
München
Carl's Books 2017
479 Seiten
15,00 Euro

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