Dienstag, 14.07.2020
 

Konzert / Archiv | Beitrag vom 04.12.2016

Christian Lindberg spielt und dirigiertDer Deal mit dem Teufel

Aufzeichnung aus Prag

Der Posaunist, Komponist und Dirigent Christian Lindberg (Mats Bäcker/Website Tarrodi Lindberg)
Der Posaunist, Komponist und Dirigent Christian Lindberg (Mats Bäcker/Website Tarrodi Lindberg)

Er ist ein Hansdampf in allen musikalischen Gassen - jetzt hat Christian Lindberg erstmals das Prager Rundfunk-Sinfonieorchester dirigiert. Mitgebracht hat er natürlich seine Posaune und ein eigenes neues Werk über seine Fantasiefigur "Kundraan".

Nichts ist ihm zu schwer - angefangen hat der schwedische Musiker Christian Lindberg als Posaunist, dann kam das Dirigieren dazu, inzwischen leitet er als Chef mehrere Kammerorchester, schließlich begann er vor knapp zwanzig Jahren auch zu komponieren. Sein Leistungskatalog liest sich wie ein Guinnessbuch der Rekorde - 300 größere und kleinere Posaunenkonzerte hat er uraufgeführt. Über 70 CDs mit größtenteils neuester Literatur für sein Instrument, aber auch Werke anderer Komponisten hat er eingespielt. Mit besonderer Hingabe widmet er sich auch dem sperrigen, aber sehr intensiven sinfonischen Gesamtwerk seines Landsmannes Allan Pettersson.

Beim Komponieren folgt er keiner Theorie oder bestimmten Ästhetik, sondern immer nur dem, was ihm Kopf und Seele in die Feder diktieren. Seit einiger Zeit beschäftigt sich Lindberg immer wieder mit der Figur eines gewissen Kundraan. Der wird als Antiheld von Luzifer vorgestellt, ist eine theatralische Figur, die die verschiedensten Erlebnisse erzählen kann: "2005 fiel mir der Name Kundraan ein. In meiner Fantasie wuchs er zu einem menschlichen Wesen heran, das all seine Hoffnungen und Illusionen verloren hatte – eine ziemlich düstere und tragische Person«, so der Komponist und Interpret. Das Werk "The Tale of Kundraan" hat Lindberg selbst im vergangenen März in der Europäischen Kulturhauptstadt San Sebastian uraufgeführt. Geschrieben ist es für Solo-Posaune, Orchester, Rezitation und Computer. Lindberg vermischt darin auf seine fantasievoll-abstruse Art Musik, Theater, Soloperformance, Monodram und Orchestermusik. Kundraan verhält sich in diesem Stück wie Goethes Faust - er verhandelt mit dem Teufel über den Preis, den er zu zahlen bereit ist, um künstlerischen Ruhm zu erlangen. 

Gänzlich traditionell und untheatralisch dagegen ist der Rest der Prager Programms, das Christian Lindberg dirigiert und spielt - allen voran eines der wenigen klassischen Posaunenkonzerte, das von Vater Mozart, in diesem Fall für das Altinstrument komponiert. Als schwedischer Musiker sieht sich Christian Lindberg immer auch als Botschafter der skandinavischen Musikkultur. Gern dirigiert er deshalb auch Musik des Dänen Carl Nielsen und des gleichalten Finnen Jean Sibelius. Die beiden rahmen mit ihrer Musik das Prager Lindberg-Konzert ein. 

Carl Nielsens Helios-Ouvertüre steht am Beginn. Hauptwerk im zweiten Teil ist schließlich Sibelius' zweite Sinfonie, das beliebte große und originelle Werk des Meisters, mit dem er sich als eigenständige sinfonische Größe etabliert hat, zunächst daheim, später schließlich im Rest der Welt. Gerade im zentraleuropäischen Raum gibt es allerdings noch einige Vorbehalte gegenüber der skandinavischen Sinfonik auszuräumen. Darin unterscheiden sich Prag, Wien oder Berlin nicht im geringsten.    

Rudolfinum Prag
Dvořák-Saal
Aufzeichnung vom 28. November 2016

Carl Nielsen
Helios Ouvertüre op. 17

Leopold Mozart
Konzert für Altposaune und Orchester D-Dur

Christian Lindberg
"The Tale of Kundraan" für Posaune und Orchester

Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Sinfonieorchester des Tschechischen Rundfunks Prag
Altposaune und Leitung: Christian Lindberg

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