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Konzert / Archiv | Beitrag vom 15.02.2019

Cellokonzerte von Saint-Saëns"Er schuf Musik, wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringt"

Moderation: Christine Anderson

( https://imgartists.com / Satoshi Aoyagi)
Der Cellist Steven Isserlis ( https://imgartists.com / Satoshi Aoyagi)

Der britische Cellist Steven Isserlis präsentiert mit der Kammerakademie Potsdam Cellokonzerte des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns. Er war nicht nur Komponist, sondern auch Dichter, Philosoph, Astronom und Mathematiker.

Mit seinem Konzert im Potsdamer Nikolaisaal bricht Steven Isserlis eine Lanze für den französischen Komponisten Camille Saint-Saëns (1835 – 1921), dessen Cellokonzerte er seit vielen Jahren immer wieder aufführt. Er hält Saint-Saëns für unterschätzt: 

"Saint-Saëns ist natürlich berühmt, aber man redet oft herablassend über ihn. Die Leute schreiben über ihn, als wäre er ein drittklassiger Komponist. So ein Unsinn, kann ich nur sagen. Natürlich sind nicht alle seiner Werke große Musik, aber viele von ihnen sind auch gar nicht mit der Intention, weltbewegend zu sein, komponiert worden. Und das macht ihn nicht zu einem schlechten Komponisten! Er schuf Musik genau so selbstverständlich wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringt, er konnte gar nicht anders. Sein Requiem beispielsweise ist ein ernsthaftes und wunderschönes Werk. Unter den Stücken, die ich von Saint-Saëns kenne, ist nicht ein einziges, das ich nicht mag, und einige liebe ich sogar. Außerdem war er ein bewunderungswürdiger Mann: er verfügte über eine humanistische Bildung, war ein respektierter Astronom, der sein eigenes Teleskop entwarf, ein Dichter, dessen Werke gedruckt wurden, außerdem Philosoph und Logiker, Theaterautor, Reiseschriftsteller, Mathematiker, Aktivist für Tierrechte, und als wäre das nicht genug, ein überragender Pianist, ein begabter Dirigent und möglicherweise der größte Organist seiner Zeit. Und er komponierte eben auch. Was für eine Persönlichkeit! Ich frage mich, ob die Leute, die so gern auf ihn herabschauen, mit der Breite seiner Aktivitäten mithalten könnten."  

Antonello Manacorda ist seit der Saison 2010/2011 Künstlerischer Leiter der Kammerakademie Potsdam. Mit diesem Orchester hat er u.a. einen Schubert-Zyklus für Sony aufgenommen, der von der Kritik begeistert aufgenommen wurde. 

Nikolaisaal Potsdam
Aufzeichnung vom 09.02.2019

Claude Debussy
Prélude à l’après-midi d’un faune

Camille Saint-Saëns
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-Moll op. 33
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 d-Moll op. 119

Franz Schubert
Sinfonie Nr. 6 C-Dur D 589

Steven Isserlis, Violoncello
Kammerakademie Potsdam
Leitung: Antonello Manacorda

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