Neuauflage von Cat Stevens' "Teaser and the Firecat"

Manifest eines ewigen Weltverbesserers

06:20 Minuten
Ein Mann sitzt rauchend auf dem Balkon oder dem Dach eines Backsteinhauses. Er blickt an der Kamera vorbei in die Ferne.
Wollte die Stimmung und Energie seiner Generation einfangen: Cat Stevens, heute Yusuf Islam, in den frühen 1970er-Jahren. © picture alliance / Avalon/Retna
Von Marcel Anders · 25.11.2021
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"Teaser and the Firecat" von Cat Stevens war eines der populärsten Alben seiner Zeit. Fünfzig Jahre sind seither vergangen, und Stevens heißt inzwischen Yusuf Islam. Nun erscheint eine opulente Neuauflage des Albums, und der Sänger blickt zurück.
„Oops, das ist mein Handy – es ist Zeit fürs Gebet. Eine Erinnerung an die wichtigen Dinge im Leben. Aber ich schalte das jetzt aus. Das war´s. Wo war ich stehengeblieben?“

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Ein Gespräch mit dem Mann, der mal Cat Sevens war, ist eine spannende Angelegenheit. Erst dauert es Wochen, um einen Termin zu vereinbaren, dann kommt ein Wust an Auflagen, es gibt Beisitzer von Management und Plattenfirma, aber auch akustische Überraschungen wie telefonische Terminerinnerungen, zwitschernde Vögel oder dröhnende Jumbo-Jets vom nahegelegenen Flughafen.

Dubai als Wohnsitz

Dubai ist seit über zwei Dekaden Wohnsitz des 73-jährigen. Nicht als Steueroase, sondern – so betont er – weil hier die Familie seiner Frau lebe. Deshalb sei es kein Widerspruch, wenn er sich weiter in seiner Paraderolle als leidenschaftlicher Weltverbesserer präsentiert.
„Das Dilemma der Corona-Zeit ist: Viele Menschen sind noch ärmer und einige wenige geradezu irre reich geworden", sagt Yusuf Islam. Firmen wie Amazon arbeiteten nun verstärkt mit Robotern und hätten gar keine Mitarbeiter mehr – was widerlich sei.

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"Deshalb", so Yusuf Islam, "müsste da mehr Kontrolle von den Regierungen ausgehen, die sich aber nicht trauen, weil diese Firmen dann einfach ins Ausland abwandern. Dagegen müssen wir demonstrieren – weil das alles nicht fair ist.“  

Kämpferisch, rebellisch, idealistisch

Auch als Yusuf Islam, als praktizierender Muslim und mehrfacher Großvater mit luxuriösem Alterswohnsitz: Das Kämpferische, Rebellische, Idealistische hat sich der gebürtige Brite bewahrt.
Im Geiste ist er immer noch der 22-Jährige, der „Teaser and the Firecat“ geschrieben hat. Ein Album, das 1971 ein glühendes Manifest war – für mehr Frieden, Liebe, Brüderlichkeit und Selbstverwirklichung.
Das eine Aufforderung zum Bruch mit dem Alten, Überholten, Kriegerisch-Wütenden war, die auch in die Zeit von Trump, Johnson, Putin und Erdogan passt – und Klassiker wie „Moonshadow“, „Morning Has Broken“ oder „Peace Train“ birgt.

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“´Peace Train´ war meine Hymne. Sie hat die Stimmung und Energie einer Generation eingefangen, die Veränderungen wollte", sagt Yusuf Islam heute. "Und ich habe ihr eine Stimme gegeben, indem ich unsere Wünsche formuliert habe. Denn wir hatten ja gerade einen großen Krieg überstanden und wollten so etwas nie wieder erleben. Trotzdem gab es überall Konflikte – und die wollten wir beenden. Darum geht es in dem Song.“

Wärme, Harmonie und Hippie-Flair

Was dagegen nicht mehr zum Zeitgeist passt, ist der verträumte Folk mit Anleihen bei traditionellen griechischen Klängen. Der mutet aus heutiger Sicht eine Spur zu bieder und altbacken an, um mit jungen Künstlern der Gegenwart konkurrieren zu können.
Die sechzig Stücke eines neuen, aufwendigen Boxsets mit jeder Menge unveröffentlichten Demo- und Live-Material zeugen denn auch eher von Wärme, Harmonie und Hippie-Flair.
Genau das, so der Künstler, sei vor fünfzig Jahren pure Rebellion gewesen – und Ausdruck einer Bewegung: „Es war wie eine Brüderschaft, die zwar nicht sonderlich laut war, aber eine starke Botschaft hatte. Dazu zählten Crosby, Stills & Nash, Elton John und James Taylor", erinnert sich Yusuf Islam.
Zu der Zeit sei wirklich eine Menge passiert. "Vielleicht war es ja das Ende der Beatles, das für ein Verlangen nach Künstlern sorgte, die quasi zu dir nach Hause kamen", mutmaßt der Musiker. "Künstler, die dich informierten und dir ein ähnlich gutes Gefühl bescherten, wie du es früher hattest. Es war aber kein Rock´n´Roll, es war nicht extravagant, sondern ruhig und besinnlich.“
Ein Ansatz, der auch fünfzig Jahre später funktioniert – wenn man sich darauf einlässt. „Teaser and the Firecat“ ist ein Klassiker der Popmusik, den man immer wieder gern auflegt. Und der zumindest inhaltlich überraschend aktuell anmutet.
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