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Das Blaue Sofa | Beitrag vom 16.10.2020

Campino: "Hope Street"Singen im Stadion ist wie Singen in der Kirche

Moderation: Marie Sagenschneider

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Campino auf einer Filmpremiere in Wien  2019.   (dpa/ Toppress/ Karl Schöndorfer)
In "Hope Street" schreibt der "Die Toten Hosen"-Sänger Campino (Andreas Frege) über Heimat, Identität und Fußball. (dpa/ Toppress/ Karl Schöndorfer)

In einem autobiografischen Buch berichtet Campino, wie er "einmal englischer Meister wurde". Damit ist sein Lieblingsverein FC Liverpool gemeint. Erzählt wird auch, wie und warum der Sänger der Band "Die Toten Hosen" britischer Staatsbürger wurde.

Campino hat das Buch "Hope Street" über seine Begeisterung für den FC Liverpool geschrieben – ein Buch über Fußball natürlich, aber auch ein Buch über seine Familie, über Heimat und Identität. Die Erzählung beginnt mit dem 25. März 2019, also dem Tag, an dem der Sänger der Band "Die Toten Hosen" die britische Staatsbürgerschaft annahm.

Viele Briten gehen derzeit den umgekehrten Weg und versuchen, noch vor dem Brexit die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes zu bekommen, so auch der Schlagzeuger seiner Band, wie Campino berichtet.

"Das ist gerade eine sehr unglückliche Situation für Europa und auch für Großbritannien", sagt der Musiker. "Aber für mich geht es beim Brexit ja eher, historisch gesehen, um eine politische Momentaufnahme. Das hat nichts mit meiner Entscheidung zu tun, Brite zu werden."

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Für ihn sei es eine "Lebensfrage", sein persönliches Bild abzurunden, da er als Sohn eines Deutschen und einer Engländerin beides seit Geburt in sich trage: "Für mich ist es ein gutes Gefühl, nach England zu reisen, und das Gefühl zu haben, ich bin da zu Hause. Und dieser kleine Ausweis, dieses Stück Papier kann mir dieses Gefühl geben."

Wenn zum Beispiel die Coronpandemie viel schlimmer würde und Großbritannien nur noch Briten einreisen lassen würde, so Campino: "Das würde mir sehr weh tun, wenn ich auf so eine Art ausgeschlossen wäre". Sein Bemühen um die britische Staatsbürgerschaft sei auch eine Würdigung in Gedenken an seine Mutter. Sie war Studentin in Oxford und lernte seinen Vater gleich nach dem Zweiten Weltkrieg in Göttingen kennen.

"Ich sitze als ein Produkt dieser Beziehung hier", sagt Campino, der fünf Geschwister hat. England war für die Mutter der Sehnsuchtsort – er selbst habe ihre Heimat auch immer idealisiert, nicht nur wegen der alljährlichen schönen Sommerferien in Cornwall.

Fasziniert vom FC Liverpool

Seit 47 Jahren ist Campino beinharter Fan des Liverpool FC, der in der Saison 2019/20 nach 30 Jahren Wartezeit endlich wieder die englische Meisterschaft holte. Warum ausgerechnet Liverpool? "Manchmal ist es Intuition, manchmal ist es Schicksal, es gibt keine Zufälle, aber es kam mir wie ein Zufall vor", erzählt Campino.

"Liverpool spielte um 1970 sehr gut, das war ein Top-Verein. Aber ich mochte auch die Namen der Spieler und war davon verführt. Meine Fantasiewelt bildete sich da selber etwas zusammen, so dass ich fasziniert von diesem Verein war."

Singen gelernt habe er im Stadion, bei Eishockeyspielen der Düsseldorfer EG, aber auch beim Fußball: "Für mich ist das eigentlich immer das Schöne, dass gerade beim FC Liverpool viel gesungen wird. In guten Momenten fühlt sich das an wie in der Kirche: Dass man zusammensteht und hofft, dass es durch diese Gesänge besser wird."

(cre)

Campino: "Hope Street. Wie ich einmal englischer Meister wurde"
Piper Verlag 2020
368 Seiten, 22 Euro

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