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Studio 9 | Beitrag vom 02.11.2015

Bush fällt hinter RubioTrend gegen den einstigen Favoriten

Von Marcus Pindur, Studio Washington

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Der Republikaner Jeb Bush erklärt vor Parteianhängern in Miami offiziell seine Präsidentschaftskandidatur. (imago / UPI Photo)
Noch vor Kurzem Favorit bei den Republikanern, jetzt weit abgeschlagen: Jeb Bush (imago / UPI Photo)

Im Gegensatz zu Donald Trump, der die Umfragen unter den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern anführt und mächtig Dampf ablässt, zählt Jeb Bush zu den seriösen Kandidaten und unter diesen als Favorit. Doch jetzt schwimmen ihm die Felle davon.

Der Angriff war erwartbar, und er wurde abgeschmettert. Bei der jüngsten Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber griff Jeb Bush seinen politischen Ziehsohn Marco Rubio an, Senator aus Florida, und ebenfalls ein Aspirant auf die Präsidentschaftskandidatur.

"What is this, a french work week?"

Marco Rubio, so der Vorwurf, verpasse zu viele Abstimmungen im Senat, weil er Wahlkampf führe. Er sei jedoch nicht in den Senat gewählt worden, um dort eine dreitägige Arbeitswoche zu haben, so Bush. Marco Rubio ließ dies nicht auf sich sitzen.

"Sie greifen mich jetzt an, weil wir für die gleiche Position kandidieren und weil Ihnen einer Ihrer Berater gesagt hat, Sie sollten das tun. Ich führe einen Wahlkampf über die Zukunft Amerikas und werde keine persönlichen Angriffe fahren."

Damit hatte der - jüngere - Rubio den - älteren – Bush nicht nur in die Schranken verwiesen, sondern diesem auch eine politische Stil-Lektion erteilt. Dafür hatte er den Applaus auf seiner Seite.

Dieser Schlagabtausch ist symptomatisch für die Lage von Jeb Bush. Im Durchschnitt der nationalen Umfragen liegt Rubio bei knapp zehn, Bush lediglich bei knapp sieben Prozent. Beide befinden sich damit immer noch weit hinter den führenden Kandidaten, Donald Trump und Ben Carson. Doch der Trend ist entscheidend. Denn jetzt wird der Wettkampf um Unterstützer, Wahlkampfhelfer und Wahlkampfspender geführt.

Rubio punktet nach Fernsehdebatte

Rubio konnte dabei direkt nach seinem gelungenen Auftritt in der Fernsehdebatte punkten. Der Hedgefonds-Manager Paul Singer erklärte, er werde Rubio unterstützen. Singer ist nicht nur ein milliardenschwerer Spender, er gilt auch als einer der bestvernetzten Männer in der Republikanischen Partei. Damit ist Rubio seinem Konkurrenten Bush erneut ein wichtiges Stück voraus.

Bush selbst hatte wegen der im letzten Quartal massiv eingebrochenen Spenden Personal entlassen und die Ausgaben seiner Wahlkampagne kürzen müssen. Spenden von Unterstützern sind auch immer ein Gradmesser für die politischen Aktien eines Kandidaten.

Und wenn diese schlecht stehen, dann muss der Kandidat sich unangenehme Fragen stellen lassen.

Ob er immer noch Präsident werden wolle, so der Moderator der NBC-Sendung "Meet the Press" gestern Nachmittag. Er war nicht der einzige, der sich diese Frage stellte, denn in der Debatte wirkte Jeb Bush zwar kompetent, aber keineswegs energisch und durchsetzungsstark.

Ein Kandidat ohne Energie?

Der gehässigste Kandidat im Rennen, der Immobilienmogul Donald Trump, hatte Bush bereits vor Wochen als einen "low energy guy", einen Kandidaten ohne Energie verspottet. Die Diät, der Bush sich unterworfen habe, schade seinem öffentlichen Auftritt, hatte Trump gelästert.

Rubio und Bush kennen sich schon lange aus Florida, wo Bush bis 2002 erfolgreich als Gouverneur regiert und unter anderem die zerrütteten Finanzen des Bundesstaates saniert hatte. Politisch-inhaltlich trennt die beiden nicht viel. Doch die Zeiten, als zwischen den jugendlichen Abgeordneten Rubio und seinen politischen Mentor Bush kein Blatt Papier passte, sind endgültig vorbei.

Der Kommentator der "New York Times", David Brooks, hat den Eindruck, dass Bushs höfliches, gesetztes und eben nicht nassforsches Auftreten einfach nicht mehr in die Zeit passe.

"Er ist ein Gentleman. Und in diesem Wahlkampf ist viel Wut und Entfremdung im Spiel. Bush passt einfach nicht mehr in diese rauen Zeiten."

Er wäre wahrscheinlich ein guter Präsident, so der Kolumnist weiter, und auch ein guter Kandidat – allerdings im Jahre 1956.

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