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Echtzeit | Beitrag vom 23.05.2020

BurnoutIm Leerlauf auf dem Gaspedal

Clemens Kirschbaum im Gespräch mit Katja Bigalke

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Eine Frau sitzt in draußen in einer Ecke und lehnt ihren Kopf auf die Beine (Unsplash / Verne Ho )
Wenn wir körperlich nicht mehr in der Lage sind, die Aufgaben zu erfüllen, die wir erfüllen wollen, bedeutet das oft auch psychischen Schmerz. (Unsplash / Verne Ho )

Als Stillstand nach dem Rasen kann der Zustand bei einem Burnout beschrieben werden. Wir würden gerne weiter machen, aber der Körper zwingt zur Umkehr. Der Biopsychologe Clemens Kirschbaum spricht dabei von einem "psychischen Lockdown".

"Der Körper ist mit dem Fuß auf der Bremse, aber gleichzeitig wird im Leerlauf das Gaspedal getreten." So beschreibt Clemens Kirschbaum, Biopsychologe an der TU Dresden, den Zustand eines Burnout. Man könne eigentlich nicht mehr, aber der Drang weiterzumachen, sei immer noch da.

Bevor es soweit komme, versuche der Körper über viele Wochen und Monate den Mehrbedarf an Energie zu kompensieren. "Kennt jeder: Adrenalin ist da so eines der Stresshormone, das uns hilft, auf einem höheren Funktionsniveau zu arbeiten und zu existieren."

Zusammenspiel der Hormone

Gleichzeitig versuche der Körper in der Balance zu bleiben. "Jetzt kommen andere Hormone ins Spiel, die versuchen, diesen Wasserschaden zu vermeiden, der durch diese Brandreaktionen ausgelöst werden kann." Clemens Kirschbaum spricht hier von der "Sprinkleranlage unseres Körpers". Entscheidend sei hier beispielsweise das Cortisol als wichtiges zweites Stresshormon.

Werde dieses Zusammenspiel gestört, dann drohe ein Burnout. "Dann kommt es zu diesem Stillstand", ausgelöst durch das Gehirn.

Der Körper zwingt zur Umkehr

Körper und Geist bedingten sich hier gegenseitig. "Wir wollen weiter arbeiten, wir wollen ja eine wichtige Person in unserem sozialen Netzwerk sein, sei es auf der Arbeit oder auch zuhause im Freundeskreis." Dabei gehe es um Anerkennung, nicht nur, aber auch in Form von Lohn, Geld und Ansehen.

"Und wenn wir dann merken, dass wir körperlich nicht mehr in der Lage sind, all die Aufgaben zu erfüllen, die wir erfüllen wollen, weil der Körper einfach nicht mehr diese Leistung erbringen kann, dann kommen wir in diese sehr missliche und auch mitunter psychisch sehr schmerzliche Phase, die wir dann vielleicht als psychischen Lockdown empfinden."

Der Körper zwingt letztendlich zur Umkehr – eine Rückkehr ins alte Leben ist oft nicht möglich. Es gehe um eine Neuorientierung, um nicht dauerhaft krank zu werden. Denn: "Wenn ein Burnout nicht adäquat und beizeiten behandelt und mit einer Veränderung des Lebenswandels beantwortet wird, dann ist es leider sehr häufig so, dass am Ende des Tages eine Depression auf mich wartet."

(cwu)

Fazit

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