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Interview | Beitrag vom 25.04.2019

Bürgermeisterin auf Föhr"Wir versuchen, plastikarm zu werden"

Heidi Braun im Gespräch mit Dieter Kassel

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Plastikflaschen am Strand (imago/Hollandse Hoogte)
Plastik wird uns noch lange verfolgen, fürchtet Heidi Braun, Bürgermeisterin der Gemeinde Wrixum auf Föhr. (imago/Hollandse Hoogte)

Plastikmüll an den Stränden, Fachkräftemangel, zu wenig bezahlbarer Wohnraum - die deutschen Inseln haben einige Probleme. Auch wegen der vielen Besucher. Das Ziel sei ein nachhaltiger Tourismus, sagt Heidi Braun, Bürgermeisterin auf Föhr.

Steigende Immobilienpreise, Lärm und Umweltverschmutzung: Deutschlands Inseln leben zwar vom Tourismus - aber sie leiden auch unter ihm.

"Es ist natürlich vieles umgebaut worden zu Ferienwohnungen, es ist vieles in fremde Hände gegangen, wo die Leute natürlich, die dann dauerhaft zum Betrieb der Ferienwohnung da sein müssen, keinen Wohnraum finden", sagt Heidi Braun, Bürgermeisterin der Gemeinde Wrixum auf Föhr und Aufsichtsratsvorsitzende der "Föhr Tourismus GmbH". Auch die erforderliche Anzahl von Mitarbeitern in den Betrieben des Gastgewerbes zu finden, sei schwierig.

Reisesaison hat sich verlängert

Was der Wrixumer Bürgermeisterin zufolge auch daran liegt, dass sich die Reisesaison verlängert habe. "Das Gästeverhalten hat sich verändert. Früher sind sie sechs Wochen im Sommer gekommen", sagt Braun. "Haben da ihre Sandburgen gebaut und sind fröhlich wieder nach Hause gefahren."

Heute machten die Gäste Kurztrips und kämen auch mal nur für drei Tage übers Wochenende. "Wenn wir Glück haben, sind sie neun bis zehn Tage unterwegs. Das ist der Durchschnittsaufenthalt eines Kurgastes inzwischen."

Erste Deutsche Inselkonferenz tagt auf Helgoland

Auch der Müll bereite ihnen große Sorgen, sagt Braun. "Wir haben hier die Schifffahrt direkt vor der Tür, und wenn wir da sehen, dass da Container über Bord gehen und was wir alles an den Stränden aufsammeln, das möchten wir irgendwo mal eindämmen. Und vor allen Dingen: Es ist ja Plastik, es bleibt uns über viele Jahrzehnte, Jahrhunderte erhalten und wird uns noch lange verfolgen."

Auch durch die Fridays-for-Future-Bewegung sei man weiter für das Thema sensibilisiert worden, so die Bürgermeisterin. "Wir versuchen also wirklich, plastikarm zu werden." Letztlich sei das Ziel ein nachhaltiger Tourismus.

Über die Zukunft der Inseln, nicht nur mit Blick auf den Klimaschutz, debattieren derzeit Politiker, Tourismusmanager und Umweltexperten auf Helgoland bei der ersten Deutschen Inselkonferenz. An deren Ende am Freitagnachmittag soll eine Resolution mit Klima- und Nachhaltigkeitszielen für 2030 verabschiedet werden.

(uko)

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