Buena Vista Social Club

    Voller Wärme und Lebensfreude

    08:04 Minuten
    Porträt des Sängers Ibrahim Ferrer mit Mütze am Mikrofon.
    Ibrahim Ferrer hätte nach dem Durchbruch der Band Buena Vista Social Club 1996 gerne seine Frau mit auf die Tournee genommen. © picture-alliance/ dpa/ Laurent_Gillieron
    Carsten Beyer im Gespräch mit Mathias Mauersberger · 16.09.2021
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    Vor 25 Jahren erschien Ry Cooders legendäres Album mit der Band "Buena Vista Social Club". Aus diesem Anlass wird das Album jetzt erneut veröffentlicht. Darauf sind auch zwölf bislang unbekannte Titel.
    Vor 25 Jahren erschien Ry Cooders Album Buena Vista Social Club. "Ry Cooder hat mit diesem Album eine Reise in eine fast vergessene Welt unternommen", sagt der Musikjournalist Carsten Beyer. Cooder war auf Tonbandaufnahmen gestoßen, die vor der kubanischen Revolution in den 40er- und 50er-Jahren entstanden waren. Und er habe sich gefragt, was wohl aus diesen großartigen Musikern und ihren Songs geworden ist.

    Handwerker und Schuhputzer

    Die meisten von ihnen waren mittlerweile Rentner. Sie hatten als Handwerker oder wie der Sänger Ibrahim Ferrer als Schuhputzer gearbeitet. Nach all den Jahren hatten sie aber die Melodien noch im Kopf und Cooder mietete ein altes Studio, stellte eine Band zusammen und so entstand in nur sechs Tagen dieses Album, "das zu den großartigsten Alben gehört, was ich in der Weltmusik je gehört habe", schwärmt Beyer. Es sei voller Wärme, voller Lebensfreude, voller musikalischer Überraschungen.
    Das Album hat sich über eine Million Mal verkauft, hat einen Grammy gewonnen und Wim Wenders hat die Geschichte der Musiker in einem Dokumentarfilm festgehalten. Bei Konzerten füllte die Band in Europa und den USA die großen Konzertsäle.

    Geld floss in fremde Taschen

    Beyer erzählt von einer Begegnung mit Ibrahim Ferrer und der Band Mitte der 90er-Jahre. Ferrer habe ihm gesagt, dass er es bedaure, seine Frau nicht mit auf die Tournee nehmen zu können, weil das zu teuer sei. Und Beyer erzählt von einer Situation vor dem Berliner Hotel, wo er die Band getroffen hatte.
    Dort stand eine Harley-Davidson und die Musiker fragten ihn, wie viel so ein Motorrad wohl kosten würde. Bei dem geschätzten Preis von 30.000 oder 40.000 Dollar, staunten die Musiker und sagten, dass man so viel Geld ja gar nicht verdienen könne, berichtet Beyer und sagt: "Man muss befürchten, dass damals ein Großteil des Geldes in fremde Taschen geflossen sind."
    Und auch heute noch wird mit dem Namen "Buena Vista Social Club" Geld verdient. Auch andere CDs werden unter diesem Namen vertrieben, weil der Name nicht geschützt sei, sagt Beyer. "Ursprünglich war das ja in den 50er-Jahren der Name eines Musikclubs in Havanna – so eine Art Gemeindezentrum." Und nach dem Erfolg von Ry Cooder und dem Buena Vista Social Club ist mit diesem Namen viel Schindluder getrieben worden, sagt Beyer.
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