Bülent Ceylan

Wie der Comedian zum evangelischen Christen wurde

07:39 Minuten
Bülent Ceylan steht mit blauer Trainingsjacke und rot-weißer Cappy auf einer Bühne und guckt leicht fragend nach oben.
Dass er zu seinem Glauben steht, darauf reagierten viele Menschen positiv, sagt Bülent Ceylan. © picture alliance / dpa
Von Elmar Krämer · 16.01.2022
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"Vater Moslem, Mutter katholisch - und was kommt dabei raus? Evangelisch!" Sein ganzes Leben lang habe er sich mit Gott beschäftigt, sagt der Comedian Bülent Ceylan. Ein Schlüsselerlebnis brachte ihn schließlich zum christlichen Glauben.
Flackernde Lichter, krachende Rockmusik und ein im wahrsten Sinne des Wortes entfesselter Bülent Ceylan: Zu Beginn seiner Shows lässt er sich gern in einer Zwangsjacke auf die Bühne fahren, um sich diese vom Leib zu reißen und dann wild seine Haare zum Klang der verzerrten Gitarren zu schütteln – so kennt man den Comedian. 

Vor jedem Auftritt betet er

Von einer ganz anderen Seite berichtet er in seinem jüngst erschienenen Buch „Ankommen – aber wo war ich eigentlich?“, das auch als Hörbuch erschienen ist. Er erzählt vom Aufwachsen in Mannheim als Sohn einer deutschen, katholischen Mutter und eines türkischen, muslimischen Vaters – in einer Patchworkfamilie mit drei größeren Geschwistern aus erster Ehe der Mutter.
Es ist ein sehr persönliches Buch, in dem Ceylan auch offen über seinen Glauben spricht: „Bevor ich auf die Bühne gehe, habe ich ein kleines Ritual: Ich bete, ich spreche im Stillen ein paar Worte. Ich bitte darum, dass wir alle gesund bleiben und dass Gott meine Familie beschützen möge. Dann trete ich ins Scheinwerferlicht und mache den Witz: Vater Moslem, Mutter katholisch und was kommt raus? Evangelisch.“   

"Ich war immer auf der Suche"  

Ceylan wandelt in seinem autobiografischen Buch zwischen Witz und Ernsthaftigkeit. Auch in Glaubensangelegenheiten war er lange ein Wanderer zwischen den Welten:
Mit Gott habe ich mich schon mein Leben lang beschäftigt. Ich war immer auf der Suche, wusste nicht, bei welcher Religion – oder sagt man lieber Glaube? – ich mich am besten aufgehoben fühle. Und muss ich das überhaupt? Muss ich mich entscheiden, soll ich mich entscheiden, will ich mich entscheiden? Ich wollte mich entscheiden.“
2012 stirbt sein Vater. Für Bülent Ceylan ist klar, dass er die religiöse Tradition, die sein Vater mit in die Familie brachte, ernst nimmt und achtet.

Er war Moslem, er wollte muslimisch beerdigt werden. Das habe ich ihm erfüllt. Ich bin in die Moschee und habe alles gemacht. Ich habe meinen Vater gewaschen. So ist es nach muslimischem Glauben, dass der Sohn dann seinen Vater wäscht, wenn er das kann, auch psychisch. Das habe ich gemacht. Und das war auch gut. So, wie er sich das gewünscht hat.

Bülent Ceylan über seinen Vater

 Ein "Türk", der kein Türkisch spricht         

Respektvoller Umgang und Achtung anderer Ansichten waren Bülent Ceylan schon immer wichtig. In Deutschland geboren und aufgewachsen, ist das Türkischste an ihm vermutlich sein Name. Er selbst spricht kein Türkisch, spielt aber auf der Bühne meisterhaft mit dem Klischee. Er bezeichnet sich selbst als „Türk“.
Eine Titulierung, die ihn schon seit der Schule begleitet. Als Kind traf sie ihn: „Das gab es in der Grundschule natürlich: Da gab es einen, der immer gesagt hat, du Türk, so als Schimpfwort. Das fand ich ganz schlimm.“
Heute gibt ihm der Stempel ein Alleinstellungsmerkmal. In seinen Shows schlüpft Ceylan mit sichtlicher Freude in unterschiedliche Rollen, darunter auch Klischee-Deutsche wie den Arbeitslosen Harald oder Hausmeister Mompfred Bockenbauer. Besonders beliebt sind aber seine türkischen Klischee-Charaktere wie der Gemüsehändler Asslan oder Türsteher Hassan.

Schlüsselerlebnis in einem Hotelzimmer

Ceylan ist längst einer der erfolgreichsten deutschen Comedians. Vor Corona füllte er Fußballstadien, reiste von Show zu Show und lebte öfter in Hotels, als ihm lieb war. Irgendwann war das alles zu viel.  
„Es war in einem Hotelzimmer, und ich war so beladen, wie man so sagt, und bin auf die Knie gegangen und habe echt gesagt, lieber Gott, was soll ich machen? Auf einmal kamen Tränen und ich habe was gefühlt, und manche würden das vielleicht ausnutzen und sagen, jetzt werde ich Guru und so überzeuge ich die Leute – mache ich ja nicht, sondern ich rede das aus reinem Herzen. Das muss jeder für sich selber entscheiden. Aber für mich war es so und ich habe gemerkt: ja, jetzt Jesus Christus, lieber Gott, alles klar.“

Predigen mit komödiantischem Einschlag

Wichtig auf seinem Weg zum Christentum war einer seiner Freunde: Antonio Weil, Pastor in einer evangelischen Freikirche. Im Internet findet man Videos, auf denen Weil so wie sein Freund Bülent auf der Bühne steht. Mit dem Unterschied, dass Weil predigt – wenn auch teilweise mit komödiantischem Einschlag und enormem Sendungsbewusstsein.
Weil stellte sich den Fragen Ceylans: „Ich habe ihn bombardiert mit Tausenden von Fragen. Tausenden! Ich glaube, da hat schon andere Kollegen fragen müssen: Der Bülent fragt mich jetzt gerade was, wo ich echt gut antworten muss.“

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Weils Art, über Gott zu reden ist so bodenständig und unverkrampft, dass sie Ceylan zu intensiver Auseinandersetzung mit dem Christentum anregte.
Er begann, die Bibel zu lesen: „Ich sage immer noch, auch wenn ich die Bibel lese und ich viele tolle Sachen darin finde, kann man natürlich manches immer noch kritisch sehen, kann man auch mal zweifeln. Das ist menschlich. Man ist ja nicht Gott. Man darf zweifeln, und man darf auch Sachen hinterfragen. Aber ich fühle mich trotzdem da am meisten aufgehoben und ich fühle mich da sehr wohl.“  

Über seinen Glauben spricht er öffentlich

Nach seinem Erlebnis im Hotelzimmer war für Bülent Ceylan klar, dass er sich auch öffentlich zu seinem christlichen Glauben bekennt.

Ich habe den Antonio in dieser Nacht angerufen und habe gesagt: Ich möchte mich taufen lassen. Da war ich ganz fest überzeugt, und dann habe ich es auch durchgezogen und war richtig glücklich.

Bülent Ceylan

Seitdem haben sich dem Comedian, wie er sagt, Türen geöffnet. Immer wieder kommen Menschen auf ihn zu, freuen sich darüber, dass er nicht davor zurückschreckt, auch in der Öffentlichkeit über seinen Glauben zu sprechen.

Offenheit gegenüber Andersgläubigen

Grundsätzlich gilt für Bülent Ceylan: Egal, ob als bekennender Christ, als Moslem oder welcher Religion auch immer – entscheidend ist für ihn, anderen offenen und aufgeschlossen entgegenzutreten.
„Für mich persönlich ist das der wahre Glaube. Was für dich ist, ist für dich. Trotzdem kann ich befreundet sein mit dem, der einen anderen Glauben hat, und ich glaube, das sollte man ja auch. Ein guter Christ sollte ja genau das sein, also diese Nächstenliebe kommt ja nicht von ungefähr. Das ist ja genau das, was viele nicht mehr haben. Sie wählen CDU, aber sie verhalten sich überhaupt nicht christlich. Manchmal muss man die Leute auch einfach nur noch mal daran erinnern. Es ist nur witzig, dass ich für viele als Türke sage: Denkt an euren Glauben.“

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