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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.07.2015

Büchner-Preis für Rainald Goetz "Ein sehr elektrisierender Autor"

Jürgen Kaube im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schäfer

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Rainald Goetz bei einer Rede. (dpa / Daniel Maurer)
FAZ-Journalist Jürgen Kaube lobt die Spannbreite des Werkes von Reinald Goetz. (dpa / Daniel Maurer)

Ein Autor großer Spannbreite: So fasst Jürgen Kaube das Werk des Schriftstellers Rainald Goetz zusammen. Dass dieser den Georg-Büchner-Preis 2015 erhält, sei eine gute Wahl, sagt der FAZ-Herausgeber und Feuilleton-Chef des Blattes.

"Er ist ein Autor für viele Leser unterschiedlicher Art", sagte der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube im Deutschlandradio Kultur. Dass die Wahl der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt in diesem Jahr auf Rainald Goetz gefallen ist, sei ein gute Entscheidung, so Kaube. Dieser sei für viele Menschen ein "sehr elektrisierender" Schriftsteller.

Nach 1989 habe Goetz Anteil an der Raver-Szene genommen und sich in die Berliner Gesellschaft  hineingewühlt. Aber es sei dem Autor auch darum gegangen, Machtsysteme zu analysieren. "Goetz ist ja eigentlich auch damit aufgefallen als jemand, der, was Kritik angeht, erst einmal denkt, dass sich viele Gesten abgenutzt haben", sagte Kaube. Deswegen führe er einen leichten journalistischen Gestus vor.  Der Autor sitze immer wieder in Prozessen und schreibe in seinem Notizbuch mit. "Insofern ist er jemand, der sehr stark auch meint, die Gesellschaft dort abgreifen zu können, wo sie sich unter Anwesenden zuträgt." Dabei gehe es um Manager, die irgendwo aufträten, Feste, Diskotheken  oder Gerichtsverfahren.

Der "FAZ"-Herausgeber Jürgen Kaube (dpa / picture alliance / Arno Burgi)Der "FAZ"-Herausgeber Jürgen Kaube (dpa / picture alliance / Arno Burgi)

Kein Meta-Naturalist

Kaube riet aber dazu, Goetz nicht zu stark als Meta-Naturalist wahrzunehmen. Der Autor nehme zwar viel aus der Zeitung oder aus dem Fernsehen, aber er sei viel trickreicher: "Wer sagt uns denn, dass das alles so war?" Goetz gehe mit seinem Schreiben auf eine Tradition zurück, die vor der modernen Romanliteratur liege und bei der noch nicht entschieden werden konnte, ob etwas stimme oder nicht. Er müsse bei Goetz immer an den englischen Schriftsteller Daniel Defoe denken, sagte Kaube. "Jemand, der eigentlich an dieser Grenzstelle zwischen Projektemacherei, Journalismus und reiner Fiktion operiert." Der FAZ-Journalist warnte davor, Goetz zu naiv zu behandeln.

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