Buddha Bar und andere Vergnügungstempel

Von Peter Kujath |
Die Megacity Tokio, eine der bevölkerungsreichsten Metropolen der Welt, ist eine Stadt der Gegensätze – laut, hektisch, modern, mit Einkaufs- und Vergnügungstempeln jeder Art, zigtausenden Restaurants und Imbissen, Finanz-, Industrie- und Handelszentrum Japans. Auf der anderen Seite Kultur- und traditionsbewusst, mit Theatern, Museen, Schreinen und Orten, die zur Meditation einladen.
Das Geklingel, wenn man durch die Bahnschranke geht und die wiederaufladbare Karte auf den Sensor legt; die verschiedenen Melodien, je nach dem welchen Bahnhof man gerade ansteuert - aber auch die Schrotthändler, die mit ihren kleinen Autos durch die engen Straßen fahren und die Menschen auffordern, ihre gebrauchten Fernseher, Waschmaschinen und Klimaanlagen vor die Tür zu stellen. Und dann gibt es da noch das andere Tokio, dessen Stille bestenfalls von einem Glockenschlag oder dem Lesen von Sutren durchbrochen wird.

Das alles hat viel mit nachbarschaftlicher Gemeinschaft zu tun, die es auch in der Riesen-Metropole Tokio mit ihren 37 Millionen Einwohnern noch immer gibt.

"Das ist Uni, Seeigel. Man entfernt die Stacheln, und dann bleibt so ein runder etwas abgeflachter Ball aus Kalk übrig. Den schneidet man auf und nimmt das Innere, das Muttergewebe heraus."

Und diese ocker-farbene, ein wenig schleimige Substanz wird dann auf einen kleinen Haufen Reis gegeben, der mit einem getrockneten Ring aus Seetang umhüllt ist. Uni schmeckt etwas bitter und kann einen, wenn er nicht wirklich frisch war, den ganzen Tag über begleiten. Im Sommer am Meer, holen sich die Tokioter übrigens Seeigel und Kreiselschnecken, einfach aus dem Wasser und schlürfen uni direkt oder rösten die sazae, die Kreiselschnecken über einem Feuer.

Es gibt zwei Arten in Tokio zu essen: die schnelle und lautstarke Variante, die in der knapp bemessenen Mittagspause oder abends vor dem Nachhause-Gehen absolviert wird, oder die langsame, meditative Alternative, bei der das Essen zelebriert wird, oft aber nicht richtig satt macht.

An vielen Ecken der Stadt kann man leicht vergessen, dass Tokio eine Hafenstadt ist. Die großen Anlegeplätze liegen in Yokohama oder Kawasaki, den Nachbarstädten von Tokio, deren Grenzen im Häusermeer nur durch die Schilder erkennbar sind. Tokio hat dafür mit dem Tsukiji, den größten Fischmarkt der Welt zu bieten.

Sushi-Laden Maguro:
"Man muss auch Vertrauen haben."

Isao Arai betreibt seit über 30 Jahren einen kleinen Sushi-Laden in Tokio Abends bietet die Buddha-Bar eine gute Alternative zu den großen Vergnügungstempeln dieser Stadt.

Mönch gegen die Lehre:
"Wenn man das ganz streng sieht, dann ist es natürlich gegen die buddhistische Lehre, hier Alkohol auszuschenken. Aber der Rahmen ist sicherlich nicht falsch. Es ist eine Sache der Interpretation. Medizin kann auch zu einem Gift werden, wenn man zu viel davon nimmt. Alkohol kann in geringen Mengen auch Medizin sein."

Hinter dem Tresen in der Bozu-Bar am Rande von Shinjuku, einem der Büroviertel Tokios, schenkt Fujioka seinen Gästen ein. Die beiden Schriftzeichen Bo-zu bedeuten buddhistischer Mönch. Und in der Tat sind in der Bozu-Bar Priester im traditionellen Gewand am Werken und Wirken.

Gugan Taguchi: "Ich bin ein echter Mönch und habe all die erforderlichen Qualifikationen. Aber ich diene nicht in einem Tempel. Ich halte manchmal morgens die Andacht oder absolviere die entsprechenden Zeremonien an den Feier- oder Trauertagen, aber ich bin nicht fest einem Tempel zugeteilt. Abends komme ich dann hierher, um mit den Menschen über ihr Leben zu sprechen."

Gugan Taguchi hat vor neun Jahren die Bozu-Bar eröffnet. Rund die Hälfte der Gäste kommt wegen der religiösen Gespräche, der anderen Hälfte gefällt einfach die Atmosphäre. Die Bozu-Bar ist eine typische, japanische Kneipe mit acht Plätzen an der Theke und noch einmal so vielen an dicht gedrängt stehenden Tischen.