Buchpreis für Karl-Markus Gauß

Wanderer an den Rändern Europas

06:40 Minuten
Der Schriftsteller Karl-Markus Gauß, in einem schwarzen Polohemd, mit weißem lockigem Haar und weißem Schnurrbart, scheint mitten im Gespräch zu sein, gerade hebt er die linke Hand ein wenig vom Tisch, als wollte er ein Argument unterstreichen.
Hinschauen, nicht zuschauen: Der Schriftsteller Karl-Markus Gauß. © picture alliance / APA / picturedesk / Herbert Pfarrhofer
Daniela Strigl im Gespräch mit Julius Stucke · 06.12.2021
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Der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022. Er widme sich der Peripherie Europas mit Neugier, Empathie und Widerspruchsgeist, so die Literaturkritikerin Daniela Strigl.
Der Schriftsteller Karl-Markus Gauß kann sich über eine Auszeichnung freuen: den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Gauß erzähle von einem "Europa der Ränder", sagt die Literaturkritikerin Daniela Strigl, die auch der Jury angehört. "Er interessiert sich für die Gebiete, die vielerorts als die europäischen Schmuddelecken angesehen wurden und werden", betont sie. Mit seinem Schreiben rücke Gauß "die Peripherie ins Zentrum der Wahrnehmung".

Hinschauen, wo andere wegschauen

Dabei widme sich Gauß ebenso der Geschichte wenig beachteter Orte als auch gegenwärtigen Konflikten, etwa der österreichischen und europäischen Flüchtlingspolitik. "Er schaut dorthin, wo man normalerweise nicht hinschaut", so Strigl.
Seine Stärke liege im Blick für das Kleinteilige, für ein Europa jenseits der Metropolen, das Gauß nicht zuletzt durch "historische Tiefenbohrungen" erkunde. In seinem jüngsten Buch "Die unaufhörliche Wanderung" berichte er etwa über den größten Truppenübungsplatz Europas in Österreich, der noch aus der Nazizeit stamme. Ein anderer Text sei der Geschichte der Kanalisation als "Untergrund der Stadt" gewidmet.

Abenteuerreisen in die Nachbarschaft

Gauß habe vor allem Mittel-, Ost- und Südosteuropa bereist und erforscht. Sein schriftstellerisches Werk sei nicht zuletzt ein Plädoyer dafür, "mehr Abenteuerreisen" in die unmittelbare Nachbarschaft zu wagen. "Er hat sich selbst einmal einen Hinschauer genannt, keinen Zuschauer", sagt Strigl: "Ich glaube, das ist eine Haltung, die in Europa notwendig ist."

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