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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.07.2016

Buch von Hamed Abdel-Samad"Selbstzensur ist das falsche Signal"

Stefan Weidner im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Hamed Abdel-Samad, deutsch-ägypischer Politologe und Autor, aufgenommen am 22.08.2013 während der ZDF-Talksendung "Maybrit Illner" zum Thema: "Ägypten zwischen Glaube und Gewalt - erwartet der Westen zu viel?" im ZDF-Hauptstadtstudio im Berliner Zollernhof Unter den Linden. (dpa picture alliance/ Karlheinz Schindler)
Hamed Abdel-Samad, deutsch-ägyptischer Politologe und Autor, während einer Fernsehsendung 2013. (dpa picture alliance/ Karlheinz Schindler)

Der Pariser Verlag Piranha will die französische Ausgabe des Buches "Der islamische Faschismus" von Hamed Abdel-Samad nicht auf den Markt bringen. Der Schriftsteller Stefan Weidner kritisiert diese Entscheidung: Der Verlag sei in eine Falle geraten.

Eigentlich sollte im September die französischsprachige Ausgabe des Buches "Der islamische Faschismus" des deutsch-ägyptischen Publizisten und Politikwissenschaftlers Hamed Abdel-Samad erscheinen. Doch jetzt hat der auch auf deutschsprachige Literatur spezialisierte Pariser Verlag Piranha die Veröffentlichung zurückgezogen.

In der Begründung hieß es, man wolle nicht Wasser auf die Mühlen der extremen Rechten gießen. Außerdem befürchtet der Verlag andernfalls offenbar Anschläge wie den auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo".

Nicht ganz nachvollziehbar findet der Schriftsteller, Übersetzer und Islam-Experte Stefan Weidner diese Entscheidung des Verlags:

"Nicht unbedingt, weil ich mit der These übereinstimme, sondern weil es in Frankreich ja nun eine sehr breite Literatur gibt, die den Islam kritisiert. Der französische Buchmarkt ist außergewöhnlich gut aufgestellt in punkto Islam-Thematik, und Sie finden auf diesem Buchmarkt alles. (…) Von daher wundert es mich sehr, dass jetzt der Verlag sagt, er traut sich nicht mehr, dieses Buch zu veröffentlichen. (…) Und es ist natürlich auch das falsche Signal, weil man sich zu seiner Angst bekennt, was okay ist, aber dass man sie auch wirksam werden lässt, dass man sich selbst zensiert, das finde ich sehr problematisch."

Weidner konstatiert auch einen "performativen Widerspruch" in diesem Rückzug der Franzosen:

"Wenn Sie als Verlag ein Buch einkaufen, was den ,islamischen Faschismus‘ erklärt, Sie also als Verlag die These vertreten, Islam und Faschismus könne man gleichsetzen, dann dürfen Sie sich ja nicht wundern, wenn dieser Faschismus tatsächlich auftritt. Man sollte dann vielleicht auch den Mut haben, diesem Faschismus entgegenzutreten, wenn man ein solches Buch einkauft. (…) Da ist der Verlag in eine Art von Falle geraten, er wusste nicht genau, was er tut."

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