Broken Bells: "Into the Blue"

Prä-pandemische Texte und aktuelles Entzücken

05:53 Minuten
James Mercer von den "Broken Bells" mit Gitarre auf einer Bühne.
Auf "Into The Blue" von den Broken Bells mit James Mercer geht es um die Hoffnung auf eine bessere Welt mit mehr Liebe und Zuversicht. © Getty Images / Ethan Miller
Von Marcel Anders · 05.10.2022
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Fast acht Jahre war Funkstille, nun gibt es Neues von den Broken Bells, der Formation von Danger Mouse, alias Brian Burton und James Mercer. Burton verrät, wie die Stücke entstanden und was genau die Beatles damit zu tun haben.
Ob mit Gnarls Barkley oder mit den Broken Bells, ob als Solist oder als Produzent von allerlei berühmten Kollegen: Brian Burton alias Danger Mouse zählt zu den einflussreichsten Musikschaffenden der letzten 20 Jahre. Jetzt, nach längerer Auszeit, hat er wieder ein Album mit James Mercer von den Shins aufgenommen: "Into The Blue". Es unterscheidet sich deutlich von den bisherigen Tonträgern der Broken Bells.
Allerdings sind auch acht Jahre vergangen. "Wir waren beide sehr beschäftigt mit anderen Projekten und sind nicht dazu gekommen, an einem weiteren Album zu arbeiten, dann brach die Pandemie aus und plötzlich hatten wir Zeit, uns Gedanken über Songideen zu machen, die wir schon länger im Hinterkopf hatten", sagt Brian Burton. Und ergänzt: "Wären wir sie früher angegangen, hätten sie bestimmt ganz anders geklungen, als angesichts der heutigen Weltlage."

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Über Politik aber möchte Brian Burton nicht reden. Muss er auch nicht: Seine Musik sagt alles. In den neun Stücken auf "Into The Blue" geht es um die Hoffnung auf eine bessere Welt mit mehr Liebe und Zuversicht. Aber auch um Orte der Zuflucht, die ferne Planeten oder geistige Rückzugsräume sind.

Die Texte? – Prä-pandemisch!

Doch was wie eine Reaktion auf unsere aktuellen Probleme klingt, reflektiert eher das Chaos während der Amtszeit von Ex-Präsident Donald Trump, so Burton: "Ich würde sagen, die Texte sind prä-pandemisch. Schon in den fünf oder sechs Jahren davor sind eine Menge unschöner Sachen passiert. Ich schätze, wir haben diese Erinnerungen mit aktuellen Eindrücken kombiniert, und insofern lässt sich das Ganze nicht einer speziellen Zeit zuordnen, selbst wenn es immer noch passt."
Ihre sozio-politischen Reflexionen unterlegen Broken Bells mit einem Sound, der futuristisch, verträumt und schwer psychedelisch ist, der kein Geheimnis aus seinen Vorbildern macht, sondern ganz ungeniert das Endsechziger Werk der Beatles und frühen Pink Floyd zitiert. Etwa in Stücken wie "Saturdays".
"Wir nennen ihn unseren 'Beatles-Song', weil er an die Fab Four erinnert. Doch auch er war nicht geplant, sondern hat sich einfach so ergeben", sagt Burton. Und genau das sei eben auch ihre Arbeitsweise: "Viel experimentieren und schauen, in welche Richtung es geht."

'Love On The Run' ist zum Beispiel ein schamloser 70er-Jahre-Pop-Song geworden – mit einem Ende, das nach Pink Floyd klingt. Ich hielt das für wunderbar.

Ein bisschen Easy Listening – gleich neben TripHop und Space-Rock. "Into The Blue" deckt ein abenteuerliches Klangspektrum ab, das bei aller Vielfalt zumindest eine Gemeinsamkeit aufweist: Eine düstere Grundstimmung, die zur Vergangenheit wie Gegenwart passt, aber beim Hörer durchaus optimistische Gefühle auslöst:
"Die meiste Musik, die ich als gut bezeichnen würde, ist traurig oder melancholisch. Man hört sie, weil man dabei etwas Intensives fühlt", so Burton. Das könne Selbstmitleid sein oder Mitgefühl. Schon seine Eltern hätten gelächelt, wenn irgendwo etwas voller Herzschmerz und Verlangen lief: "Da bin ich nicht anders: Meine Lieblingssongs haben alle etwas Melancholisches an sich.“  

Keine Live-Präsentation geplant

Im Gegensatz zu „After The Disco“ von 2014 plant Burton diesmal keine Live-Präsentation. Er konzentriert sich auf seine Profession als Studiotüftler, wenn auch ohne die ganz großen Namen. Warum? – Das lässt er unbeantwortet. Aber einmal Adele und die Red Hot Chili Peppers scheint ihm zu reichen:
"Ich arbeite ständig an etwas. Ich rede nur nicht darüber, bis es fertig ist, denn das ist ein langwieriger Prozess, der manchmal funktioniert und manchmal nicht. Momentan konzentriere ich mich auf die Alben von kleineren Künstlern wie Black Thought und die Songs mit James.“
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