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Mahlzeit / Archiv | Beitrag vom 30.12.2016

Britische Veganer sind entsetztRindertalg in neuen Fünf-Pfund-Noten

Von Udo Pollmer

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Die neue britische Fünf-Pfund-Note aus Kunststoff ist schmutz- und feuchtigkeitsresistent. ((c) dpa)
Die neue britische Fünf-Pfund-Note aus Kunststoff ist schmutz- und feuchtigkeitsresistent. ((c) dpa)

In England hagelte es kürzlich Proteste, weil eine Druckerei durchblicken ließ, zur Herstellung neuer Fünf-Pfund-Noten würde ein Quäntchen Rindertalg verwendet. Viele Vegetarier und vegane Restaurants weigerten sich gar, talgverdächtige Scheine anzunehmen.

Die süßen Glücksschweinchen mit dem goldigen Glückspfennig in der Schnauze finden zum Jahreswechsel wieder viel Zuspruch. Doch wie kommt das Geld zum Schwein – sonst will ja auch niemand Perlen vor die Säue werfen? Der Eber ist seit alters ein heiliges Tier des Abendlandes, er verkörperte Fruchtbarkeit und Stärke und ist damit ein Zeichen für Wohlstand. Der Glückspfennig wurde einst an die Stalltür genagelt, um Hexen vom wertvollen Viehbestand fernzuhalten. Auch trugen ihn die Bauern im Frühjahr beim Kauf junger Schweine mit sich, damit diese gesund blieben. So entstand die Bedeutung, das Geld möge dem Besitzer des Glückspfennigs nie ausgehen.

Chor der Empörten

Doch nun scheint es vorbei zu sein mit den tierischen Glücksbringern. In England hagelt es Proteste, weil ein Drucker kürzlich durchblicken ließ, zur Herstellung neuer Fünf-Pfund-Noten aus Kunststoff-Fasern würde ein Quäntchen Rindertalg verwendet. Nicht nur die britischen Hindus nahmen daran Anstoß, zum Chor der Empörten gesellten sich alsbald auch viele Vegetarier, vegane Restaurants weigerten sich gar talgverdächtige Scheine anzunehmen.

Da ist die Bank von England wohl in ein gewaltiges Fettnäpfchen getreten. Über 100.000 Menschen haben bereits eine Petition unterzeichnet, mit der kindischen Forderung nach fettfreiem Geld. Denn Talg – bisher als Frittenfett geschätzt - sei abstoßend und widerlich. Die Bank von England versprach Abhilfe. In Zeiten des Brexit hat sie gerade nichts Wichtigeres zu tun.

Geld ist ein dankbares Thema für ethische Fragen. Darf man Geld akzeptieren, das in Metzgereien den Besitzer wechselte? Da bleibt doch sicherlich auch ein klein wenig Fett von den Wurstfingern dran haften. Doch am Geld klebt weitaus mehr – und vor allem Gravierenderes: Zum Beispiel Blut oder Drogen.

Koks an den Scheinen

Die Kokaingehalte reichen auf gepflegten britischen Pfundnoten bis zum Hundertfachen dessen, was an Fett in den neuen Scheinen steckt. Doch niemand rümpft darüber die Nase. Kokain wird aus Kokablättern gewonnen, es ist damit rein pflanzlich und folglich tierethisch einwandfrei. Am meisten Koks soll an spanischen Scheinen kleben. Die Deutschen hingegen haben ein Näschen für Crystal Meth, manchmal wurde davon so viel geschnupft, dass die Euroscheine vor Erreichen ihrer Mindesthaltbarkeit brüchig werden und zerbröseln.

Geld ist ein unsauberes Geschäft: Als in New York im Rahmen des Dirty Money Projektes Dollarscheine auf Keime getestet wurden, fanden die Mikrobiologen 3000 verschiedene Arten von Bazillen darauf – am häufigsten den Erreger von Akne. Schweizer Virologen ergänzen, Papiergeld sei ein beliebtes Biotop für Influenza-Viren. Die Grippe lauert also im Portemonnaie – da wo die Scheine stecken. Auf gebrauchten britischen Banknoten hat sich der Fäkalkeim E. coli eingenistet und befleckt das Konterfei der Queen. Von wegen Geld stinkt nicht …

Fit für die Zukunft

Aus hygienischer Sicht schneiden Banknoten am besten ab, die nicht wie üblich aus Baumwolle oder Leinen erzeugt wurden, sondern aus Kunststoff. Genau diese Scheine waren es, die in England den Shitstorm auslösten. Wozu Hygiene in einer urbanen Gesellschaft? Wir wollen Geld ohne Tier!

Denkt man die Ideenwelt des Zeitgeistes zu Ende, dann dürfen wir nicht beim Tierschutz stehen bleiben, dann ist auch der Schutz des Verbrauchers, des Klimas und der Meere unumgänglich. Eine staatliche Förderung der Geldwäsche – möglichst bei 60 Grad - wäre ein erster und alternativloser Schritt. Ziel muss eine klimafreundliche, fettreduzierte und gesundheitsfördernde Öko-Währung sein, beispielsweise aus dreilagigem Recyclingpapier, bedruckt mit wasserlöslichen Naturfarben. So machen wir unser Geld fit für die Zukunft, damit die vielen Banknoten nicht als Plastikmüll die Meere verschmutzen.

Doch vorerst verschenken wir zu Neujahr lieber etwas Wertbeständiges: Rosige Glücksschweine aus Marzipan und bunte Marienkäfer aus Schokolade. Hygienisch verpackt und garantiert frei von Kokain versüßen sie uns das Neue Jahr! Auf dass Ihnen die Schweine, ach was, die Scheine nicht ausgehen mögen. Mahlzeit!

Literatur:

Hoffmann-Krayer E et al (Hrsg): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. De Gruyter, Berlin 1987

Harrison J: Scottish banknotes ‚contain traces of animal fat‘ says printer. Evening Times 1. Dec. 2016

Daughton CG: Illicit drugs: contaminants in the environment and utility in forensic epidemiology. Reviews of Environmental Contamination and Toxicology 2011; 210: 59-110

Anon: Geldzerfall: Fraß durch Partydroge? Der Spiegel 2006; Heft 46: 22

Oyler J et al: Cocaine contamination of United States paper currency. Journal of Analytical Toxicology 1996;  20: 213-216

Lavins ES et al: Cannabis (marijuana) contamination of United States and foreign paper currency. Journal of Analytical Toxicology 2004; 28: 439-442

Maw D: Remove tallow from bank notes. Change.org Abgerufen am 13. Dezember 2016

Gedik H et al: Money and transmission of bacteria. Antimicrobial Resistance and Infection Control 2013; 2: e22

Thomas Y et al: Survival of influenza virus on banknotes. Applied & Environmental Microbiology 2008; 74: 3002-3007

Ebejer KA et al: Factors influencing the contamination of UK banknotes with drugs of abuse. Forensic Science International 2007; 171: 165-170

Taylor J: The bacteria in your wallet, and why dollar bills van be like a microbial playground. uBiome-blog 11. July 2016

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