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Fazit | Beitrag vom 30.06.2019

Brigitte Fassbaenders "Lucia di Lammermoor"Ein kontrastreicher Abend

Von Franziska Stürz

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Ein Mann sitzt an einem Tisch. Eine Frau steht neben ihm und hat eine Hand auf seiner Schulter und singt. (Theater Regensburg / Jochen Quast)
Gaetano Donizettis Oper "Lucia di Lammermoor": Enrico Ashton (Daniel Čapkovič) zwingt seine Schwester Lucia (Diana Tugui) zur Heirat mit Arturo. (Theater Regensburg / Jochen Quast)

Brigitte Fassbaender hat die Oper "Lucia di Lammermoor" am Theater Regensburg inszeniert. In der Opernwelt ist die 80-Jährige ein großer Star. Die Erwartungen an die Premiere waren also hoch. Unsere Kritikerin ist "ein bisschen enttäuscht".

Die bald 80-jährige, gefeierte Mezzosopranistin und Regisseurin Brigitte Fassbaender präsentiert am Regensburger Theater innerhalb weniger Wochen ihre zweite Inszenierung einer großen Oper: Gaetano Donizettis "Lucia di Lammermoor" ist Bravourstück und großes Drama zugleich.

Die Hauptfigur hat vom Komponisten eine der berühmtesten Wahnsinnsszenen der Operngeschichte auf den Leib geschrieben bekommen und wurde von allen großen Koloratur-Diven gesungen. Die Erwartungen waren also auch musikalisch hoch.

Kalte, graue, von Männern dominierte Welt

In Regensburg verkörpert Diana Tugui die Lucia und Regisseurin Brigitte Fassbaender verzichtet auf eine Aktualisierung des Stoffes, in dem es eigentlich um eine Zwangsheirat geht. Stattdessen verlegt sie die Handlung in die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende.

Zu sehen ist eine Gruppe von Soldaten an einem langen Tisch. (Theater Regensburg / Jochen Quast)Raimondo (Selcuk Hakan Tıraşoğlu), Enrico Ashton (Daniel Čapkovič) und der Opernchor. (Theater Regensburg / Jochen Quast)
Frau trägt Hochsteckfrisur, lange Röcke und hochgeschlossene Blusen. Während vor dem Theater zum Bürgerfest pralles fröhliches Leben in der heißen Regensburger Sommernacht tobt, hat Bühnen- und Kostümbildner Helfried Lauckner im Regensburger Theater eine kalte, graue, von Männern dominierte Welt erschaffen.

Altbewährte Theatertradition in dekorativem Ambiente

Unterstützt vom militärischen Männerchor bedrängt der dominante Enrico seine Schwester, die er zur Heirat mit Arturo zwingt. Gut positioniert dürfen die Solisten ihre Arien und Ensembles ins Publikum singen, die Personenführung erfolgt nach altbewährter Theatertradition im dekorativen Ambiente.

Schade, etwas mehr Zeitbezug hätte doch sein können. Warum immer Fin de Siècle? Musikalisch hat die Regensburger Besetzung viel zu bieten, es wird sehr gut gesungen. Nur reicht das bei Donizetti nicht ganz. Diese Musik muss gestaltet und beseelt werden.

Seltsamerweise neigen alle Solisten etwas zum eindimensionalen großen Ton, obwohl das Regensburger Philharmonische Orchester unter Tom Woods durchaus auch fein und zurückhaltend musiziert.

Faszinierende Wahnsinnsszene im letzten Akt

Im letzten Akt gelingt Diana Tugui allerdings eine faszinierende Wahnsinnsszene mit ebendiesen leisen, verletzlichen Tönen und Brigitte Fassbaenders Regie tut doch ein bisschen weh, denn Lucia hat Arturo nicht nur erstochen, sondern entmannt.

Seine blutige Körpermitte prangt die ganze große Szene an der Bühnenrampe. Das hätte man diesem Mädchen wirklich nicht zugetraut – ein kontrastreicher Abend!

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