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Interview / Archiv | Beitrag vom 24.06.2016

BrexitSorge vor den nationalen Wahlkämpfen

Quentin Peel im Gespräch mit Marianne Allweis und André Hatting

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Stadtbild von London (AFP / Rob Stothard)
EU-Befürworter wie der britische Journalist Quentin Peel zeigten sich nach dem Brexit-Votum entsetzt (AFP / Rob Stothard)

Angesichts der politischen Unsicherheit werde es sehr schwierig werden, die Finanzmärkte nach dem Brexit-Votum wieder zu stabilisieren, sagt der britische Journalist Quentin Peel. Er sprach von einem "Desaster".

"Was sofort am gefährlichsten ist, sind die Probleme an den Finanzmärkten", sagte der Auslandschef der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times", Quentin Peel im Deutschlandradio Kultur. "Es gibt Riesenprobleme mit dem Pfund und mit den Börsen." Peel sprach von einem "Desaster" für Großbritannien. "Wir werden nicht mehr eine offene Wirtschaft und eine offene Gesellschaft sein", lautete sein Befund. Diese Entwicklung sei für ganz Europa sehr gefährlich, denn das Brexit-Votum werde die Euroskeptiker auch in anderen EU-Staaten ermutigen.

Spiel mit den Ängsten

Quentin Peel sagte, die britische Kampagne beider Lager sei schrecklich gewesen und habe nur mit Ängsten gespielt. "Die guten Argumente für und gegen Europa waren nicht wirklich im Gespräch", sagte er. Bei den EU-Gegnern sei es um Ängste gegenüber Migranten gegangen und bei der anderen Seite um Ängste vor einer Wirtschaftskrise. Niemand habe über die Friedensrolle der EU gesprochen.

Schwere Zeit für EU

Der Journalist, der Korrespondent seiner Zeitung in Brüssel und in Berlin war, zeigte sich wenig optimistisch, dass die EU diese Krise leicht bewältigen könne. Es gebe neben Problemen wie der Eurokrise, der Flüchtlingskrise und dem schwierigen Verhältnis zu Russland auch eine Spaltung innerhalb der EU. "Ich sehe mit Wahlkämpfen im nächsten Jahr in Deutschland, in Frankreich und den Niederlanden eine sehr schwere Zeit für die Europäische Union." Es müsse nun darum gehen, ein wenig besser zu verstehen, warum die Leute sich von Europa entfremdet fühlten.    

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