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Im Gespräch | Beitrag vom 14.07.2018

Brexit, Abschottung und AbschiebungWas bleibt vom grenzenlosen Europa?

Moderation: Katrin Heise

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Eine deutsche Frontex-Beamtin und ein griechischer Beamter suchen bei Mytilini auf der griechischen Insel Lesbos das Meer nach Flüchtlingsbooten ab.  (Imago)
Suche nach Flüchtlingsbooten bei Mytilini auf der griechischen Insel Lesbos. (Imago)

Während die einen ihren Urlaub im grenzenlosen Europa genießen, fallen andere in nationalstaatliches Denken zurück und möchten die Grenzen dicht machen. Wo bleibt da die europäische Idee?

Sommerzeit – Urlaubszeit. Viele genießen das grenzenlose Europa mit all seinen Vorzügen. Gleichzeitig erleben wir eine politische Lage, in der diese Grenzenlosigkeit und andere europäische Werte aufs Spiel gesetzt werden. Die Briten wählen den "Brexit", immer mehr europäische Länder fallen zurück in nationalstaatliches Denken und drohen, die Grenzen wieder dicht zu machen. Das hängt auch – aber nicht nur – mit den Flüchtlingen zusammen. In den Debatten geht es inzwischen um Abschreckung, Abschiebung und Abschottung.

Was bleibt vom grenzenlosen Europa?

"Kontrolle heißt Kontrolle – für jeden, nicht nur für Flüchtlinge", sagt Prof. Dr. Armin Nassehi, Leiter des Instituts für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Herausgeber des "Kursbuch". Vieles, was Europa ausmache, sei den Menschen offenbar zu selbstverständlich. Deshalb könnten sie sich auch nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn die Grenzen wirklich dicht gemacht werden.

Armin Nassehi, Soziologe an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München. (dpa / Erwin Elsner)Armin Nassehi, Soziologe an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München (dpa / Erwin Elsner)

Die EU sei vielen Menschen aber auch nach wie vor fremd: "Es gibt ein europäisches Leben, aber es gibt keine europäische Öffentlichkeit. Die Politik ist nach wie vor von der Nationalpolitik bestimmt. Brüssel wird als eine Art Moloch gesehen – und das stimmt gar nicht."  

"Ich finde es irrsinnig beglückend, dass man überall in Europa leben und arbeiten kann", sagt Alexander Freiherr Knigge. "Die EU ist ein großer Garant für Freiheit und Frieden." Der Berliner Anwalt ist einer der Organisatoren der "Pulse of Europe"-Bewegung. Sie wirbt mit regelmäßigen Demonstrationen und anderen Aktionen für ein vereintes und lebendiges  Europa. An diesem Wochenende startet das neueste Projekt: EU-Befürworter- und Skeptiker sollen in "Hausparlamenten" gemeinsam diskutieren. Die Ergebnisse werden dann Politikern übergeben, die darauf reagieren.  

Seine Erfahrung: Man könne nur schätzen, was man kennt. Viele Menschen hätten jedoch keine persönliche Erfahrung mit all dem, was Europa biete: die Studien- und Arbeitsfreiheit, das grenzenlose Reisen. "Deshalb ist es ja so wichtig, dass man in den Austausch geht, dass man miteinander spricht, dass man persönliche Erfahrungen macht."

Alexander Freiherr Knigge bei einer Veranstaltung der Europäischen (Imago / Gerhard Leber)Alexander Freiherr Knigge. (Imago / Gerhard Leber)

Im Gespräch

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