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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.07.2017

Bregenzer Festspiele: "Carmen"Ein Klassiker auf spektakulärer Bühne

Jürgen Liebing im Gespräch mit Britta Bürger

Schauspieler führen auf der Seebühne in Bregenz (Vorarlberg) die Oper Carmen von Georges Bizet während einer Fotoprobe auf.  (picture alliance / dpa / Felix Kästle)
Schauspieler führen auf der Seebühne in Bregenz (Vorarlberg) die Oper Carmen von Georges Bizet während einer Fotoprobe auf. (picture alliance / dpa / Felix Kästle)

Der dänische Regisseur Kasper Holten hat mit Bizets "Carmen" die Bregenzer Festspiele eröffnet. Heraus kam ein wunderbar bunter Abend vor der malerischen Kulisse des Bodensees - nur das Wetter spielte nicht mit.

Nirgendwo ist das Bühnenbild so bestimmend wie bei den Seefestspielen von Bregenz. Es ist die halbe Miete und mehr. In diesem Jahr recken sich die Nachbildungen der Arme der Bühnenbildnerin Es Devlin, die schon für Adele, Beyoncé und andere Superstars gearbeitet hat, 22 und 18 Meter links und rechts der Bühne in die Höhe. Dazwischen schwebende Spielkarten, von denen jede einzelne aber mehr als zweieinhalb Tonnen wiegt.

Alles ist überdimensional, nur die Menschen bleiben gleich groß oder klein, und das ist die Crux, mit der jeder Regisseur fertig werden muss. In diesem Jahr ist es der Däne Kasper Holten, bis vor kurzem noch Intendant des Royal Opera House in London. Psychologische Feinzeichnung ist da nicht gefragt, auch keine allzu große subtile Hintergründigkeit. Will man bei jeder Vorstellung rund 7.000 Zuschauer und Zuschauerinnen bespaßen, muss man auf Effekte setzen.

Bizets "Carmen" in grellen Farben - das passt

Das kann Holten, und so ist es ein bunter Abend nach dem Sonnenuntergang vor malerischer Kulisse. Georges Bizets "Carmen" ist eine Oper der grelle Farben, auch musikalisch. Das passt zusammen. Und man staunt immer wieder nicht wenig, wie es heute möglich ist, dass nicht nur ein Klangbrei zu hören ist, dass es nicht scheppert und schnarrt. Das ist auch etwas für Technikfreaks. Und mancher, der eher davor zurückschreckt, in ein normales Opernhaus zu gehen, verspürt nach so einer Aufführung auch Lust, es mal mit dem Besuch im heimischen Musentempel zu versuchen. Schwellenangst muss keiner haben.

Allerdings spielte das Wetter bei der diesjährigen Premiere nicht so recht mit, denn es regnete in Strömen bis zur Hälfte der Aufführung, blitzte und donnerte, dass man befürchtete, die Aufführung müsste abgebrochen werden, was natürlich angesichts der Anwesenheit des österreichischen Präsidenten Alexander van der Bellen und des deutschen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert nicht so schön gewesen wäre.

Buchstäblich im Regen versunken

Die Plastikhäute, die man sich übergestülpt hatte, beeinträchtigten natürlich den akustischen Eindruck, denn prasselnden Regen hält sich nicht an Tonarten, Tempi und Rhythmen. Umso bewundernswerter die Leistung aller Menschen auf der Seebühne, denn die standen buchstäblich im Regen. Am Ende wurde alles gut, auch wenn Carmen und Don José gleichsam schlussendlich im Bodensee versanken. Opern enden nun einmal meistens tragisch und tödlich.

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