Seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

Sonntag, 26.05.2019
 
Seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

Fazit / Archiv | Beitrag vom 15.11.2011

Brechts Jungstar

Heute wurde das Regine-Lutz-Archiv an der Berliner Akademie der Künste eröffnet

Podcast abonnieren
Schauspielerin Regine Lutz: Schauspielschule bei Bert Brecht. (picture alliance / dpa / Stephan Görlich)
Schauspielerin Regine Lutz: Schauspielschule bei Bert Brecht. (picture alliance / dpa / Stephan Görlich)

Die Berliner Akademie der Künste bewahrt große Schätze in ihren Archiven auf. Darunter viele Zeugnisse von Bertolt Brecht. Heute wird dem Brecht-Vermächtnis ein weiteres Archiv hinzugefügt, das der Schweizerin Regine Lutz aus Basel.

Regine Lutz' Schauspieldebüt war 1947 als 18-Jährige am Zürcher Schauspielhaus. 1948 lernte sie Bertholt Brecht kennen, 1949 folgte sie ihm nach Berlin.

"Also, ich finde das ist alles etwas zu viel, zu viel der Ehre", sagt Regine Lutz. Sie versteht nicht, warum wegen der zwei Kisten aus ihrem Keller so viel Aufstand gemacht werde. Als sehr junge Frau sei sie nach Berlin gekommen und war ihrem Vater sehr dankbar dafür, dass er ihr das erlaubt hatte. Deshalb habe sie ihren Eltern jede Woche Briefe geschrieben, "darüber was bei uns los war, was wir probiert haben."

Das hat sie getan von dem Moment, als sie von Zuhause wegging, zunächst nach Zürich, dann nach Berlin. Die Eltern mussten ja wissen, was sie da so tat, erinnert sie sich. Sie habe aber eher das Berufliche thematisiert, von den Proben erzählt und das Private unter den Tisch fallen lassen. "Das war nicht so für meine Eltern", sagt sie.

Regine Lutz' Mutter hat die Briefe aufbewahrt, etwa 1000 Stück sind zusammengekommen.

Regine Lutz hat nie eine Schauspielschule besucht, sondern damals als junge Frau in Zürich einfach vorgesprochen. Und weil die da gerade jemanden gesucht hätten, der jung aussieht, sie sie als eine Art Volontärin genommen worden, so Lutz. Von Brecht wusste sie nicht viel, als der sie zum Kennenlernen in die Lobby bestellte. Nur, dass er "Mutter Courage" geschrieben hatte.

Rückblickend wisse sie, dass sie das angezogen hatte, was Brecht liebte: einen Karorock und eine weiße Bluse. "Und da kam ich in dieses Foyer und da sah ich in meinen Augen einen ausgesprochen alten und hässlichen Mann - unrasiert, und das war für mich unmöglich", sagt Lutz. Der bat sie dann, einen Text zu lesen und später zu improvisieren - es war ein Auszug aus "Herr Puntila und sein Knecht Matti" - sie sollte dann die Rolle des Milchmädchen Lisa spielen.

Nach einem Aufenthalt in Zürich, holte Brecht seinen Jungstar nach Ostberlin. Regine Lutz weiß, was sie ihm zu verdanken hat: "Kein anderes Theater hätte mich engagiert, ich war ja nur 1,50 Meter groß und konnte schlecht Deutsch", sagt sie.

Obwohl sie nie eine Schauspielschule besucht hat, habe sie als junge Frau von Brecht von Grund auf gelernt, wie man an eine Rolle herangeht. Lutz: "Das war meine Großschule und eine bessere Schule hat es nicht gegeben."

Das vollständige Gespräch mit Regine Lutz können Sie bis zum 15. April 2012 als MP3-Audio in unserem Audio-On-Demand-Player hören.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsGedanken zur Europawahl
Menschen in der EU mit vielen verwirrenden Pfeilen die in unterschiedliche Richtungen zeigen PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xLeexWoodgatex 11780046 People in the EU with many confusing arrows the in Different Directions show PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xLeexWoodgatex 11780046  (imago stock&people)

1989 habe in Osteuropa keiner geglaubt, dass die Demokratie jemals wieder in Frage gestellt werden könnte, sagt Herta Müller im Interview mit der „FAZ“. Die „taz“ hingegen fragt: „Müssen wir erst scheitern, um Europa noch zu retten?“Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur