Seit 02:05 Uhr Tonart
Sonntag, 16.05.2021
 
Seit 02:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 13.06.2019

Brasiliens Kolonialgeschichte als ComicDer Freiheitskampf in Angola Janga

Lea Hübner im Gespräch mit Gesa Ufer

Eine Wandmalerei im ehemaligen Sklavenviertel an der Pedra do Sal in Rio de Janeiro. (Peter Bauza/dpa/picture alliance )
Gedenken an Kolonialismus: Eine Wandmalerei im ehemaligen Sklavenviertel an der Pedra do Sal in Rio de Janeiro. (Peter Bauza/dpa/picture alliance )

In "Angola Janga" widmet sich der Comicautor Marcel D'Salete einem der dunkelsten Kapitel der brasilianischen Geschichte: der Sklaverei. Elf Jahre hat er dafür recherchiert, erzählt die Übersetzerin Lea Hübner.

Brasilien war lange der größte Sklavenmarkt der Welt. Erst im Jahr 1888 wurde dort der Handel mit Menschen endgültig verboten – so spät wie in sonst keinem anderen westlichen Land. Bis dahin hatte die portugiesische Kolonie fast fünf Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner verschleppt, die auf Zuckerrohrplantagen, in der Holzwirtschaft oder in Gold- und Silberminen arbeiten mussten. Der preisgekrönte brasilianische Comicautor Marcel D'Salete hat jetzt ein spannendes, kaum bekanntes Kapitel dieser Kolonialgeschichte in seinem Band "Angola Janga - eine Geschichte der Freiheit" nachgezeichnet.

Die große Geschichte der Sklaverei wird in dem Comic auf das Schicksal einiger Hauptpersonen heruntergebrochen: Es gibt den Anführer der entflohenen Sklaven Zumbi, den Gouverneur als Widersacher, aber auch einen Kopfgeldjäger, der Sklaven zurückbringen soll und selbst einer ist. Im Mittelpunkt steht der Ort "Angola Janga".

Die weise Schamanin

In der Graphic Novel habe sie die Figur der alten Kuka am meisten beeindruckt, sagt die Übersetzerin Lea Hübner im Deutschlandfunk Kultur. Sie hat das Buch ins Deutsche übertragen. Diese Schamanin habe sie besonders berührt. "Sie ist eigentlich weise und mächtig, aber in diesem ganzen Kontext doch eher ohnmächtig", sagt Hübner. "Ich habe mich gefragt, wie das sein muss, wenn man seine Kulturtradition an so einen feindlichen Ort mitnimmt und bewahren möchte."

Heute widmen sich zwar eine Gedenkstätte und ein Museum diesem Thema, erklärt Hübner. Es gebe aber einen riesigen Nachholbedarf in der brasilianischen Geschichte. Elf Jahre habe D'Salete für den Comic recherchiert.  

(gem)

Marcelo D'Salete: "Angola Janga - eine Geschichte der Freiheit"
Ins Deutsche übersetzt von Lea Hübner
Verlag bahoe books, Wien 2019
432 Seiten, 29 Euro

Marcelo D'Salete: "Cumbe"
Ins Deutsche übersetzt von Lea Hübner
Verlag bahoe books, Wien 2017
176 Seiten, 19 Euro

Mehr zum Thema

Vor 525 Jahren - Die Aufteilung der "Neuen Welt" im Vertrag von Tordesillas
(Deutschlandfunk Kultur, Kalenderblatt, 07.06.2019)

Künstlerproteste in Brasilien - Mehr Kultur und Bildung statt noch mehr Waffen!
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 21.05.2019)

Präsidentschaftswahl in Brasilien - Warum ein Rechtsextremer gewonnen hat
(Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit, 29.10.2018)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

Residenztheater München"Hamlet" überzeugt nur teilweise
Johannes Nussbaum als Hamlet steht auf der Bühne und hält einen Totenkopf. (Rezidenztheater München / Birgit Hupfeld)

191 Tage war das Münchner Residenztheater zu. Nun hat es für 200 Gäste wieder seine Türen geöffnet und startet mit einer Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“. Kritiker Michael Laages lobt den ersten Teil und ist vom zweiten umso mehr enttäuscht. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur