Boxen als Bewegungskunst

Die Ästhetik des Niederschlags

07:29 Minuten
Challenger Muhammad Ali watches as defending world champion George Foreman goes down to the canvas in the eighth round of their WBA/WBC championship match in Kinshasa, Zaire, on October 30, 1974. Foreman is counted out by the referee and Ali regains the world heavyweight crown by KO in the bout dubbed 'Rumble in the Jungle.' (AP Photo)
Rumble in the Jungle: Herausforderer Muhammad Ali schickt George Foreman am 30. Oktober 1974 in Kinshasa in der achten Runde auf die Bretter und entthront den Schwergewichtschampion. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS / RED
Sabine Gerlach im Gespräch mit Ansgar Molzberger · 12.05.2024
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Viele können mit Boxen nichts anfangen, sind angewidert von der Brutalität der Auseinandersetzung. Andere sind gerade davon fasziniert. Für den Sporthistoriker Ansgar Molzberger ist Boxen Kunst; ein kreativer Prozess unvorhersehbarer Handlungen.
Nicht nur Maler, sondern auch andere Kunstschaffende, Filmregisseure oder Literaten haben sich mit der Kampfsportart Boxen oder Boxlegenden beschäftigt und in ihren Filmern oder Büchern literarisch verarbeitet. Brecht, Camus oder Hemingway, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch in der Bildenden Kunst inspirierte der archaische Faustkampf immer wieder zu neuen Skulpturen oder Malereien. Dieses Archaische: Mann gegen Mann, seit vielen Jahren auch Frau gegen Frau, unter Einbezug auch möglicher Verletzungen ist ja vordergründig erstmal ein Widerspruch zu einer vermeintlich so zivilisierten Gesellschaft", sagt der Sporthistoriker Angar Molzberger Deutschlandfunk Kultur. "Gleichzeitig ist es aber eine Sportart, die nach Regeln erfolgt. Und diese Widersprüchlichkeiten, die machen sicherlich eine große Faszination aus."
Ein Besucher geht am 26.10.2017 in Frankfurt am Main in der Kunsthalle Schirn bei einer Pressevorbesichtigung an der Plastik «Der Boxer (Max Schmeling)» von Rudolf Belling aus dem Jahr 1929 vorbei. Die Ausstellung «Glanz und Elend in der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen» gibt vom 27.10.2017 bis zum 25.02.2017 einen Blick auf die Kunst im Deutschland der Jahre 1918 bis 1933. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa ++
Max Schmeling insprierierte viele Künstler. Hier zu sehen: Die Skulptur "Der Boxer", die Rudolf Belling 1929 schuf. © picture alliance / Frank Rumpenhorst / dpa / Frank Rumpenhorst
In Verbindung mit dem US-amerikanischen Markt spielt nach Molzbergers Ansicht noch ein anderes Sujet eine große Rolle: "Aus der Gosse zum Weltmeister und oftmals auch wieder zurück in die Armut, weil man mit dem Ruhm nicht klar kam." Gerade in der realistischen Darstellung der "Brutalität von Zweikampfsport" liege für viele ein großer Reiz, analysiert der Historiker von der Sporthochschule Köln. Bereits in der Antike habe es Statuen gegeben, die die Verletzungen, "die ein Athlet davongetragen hat", ungeschönt wiedergaben. Ob Boxen Kunst sei, hängt nach Ansicht Molzbergers davon ab, wie man Kunst definiert. Wenn wir Kunst definieren als Ergebnis eines Schaffensprozesses, eines kreativen Prozesses, dann sind natürlich Sportarten, wo ich besonders schnell reagieren muss, wo viele Handlungen nicht vorhersehbar sind, sehr künstlerisch geprägt. Wir sprechen ja auch von Bewegungskunst."

Viele künstlerische Aspekte

Anmut der Bewegung und Rhythmik der Bewegung haben für Molzberger eine stark ästhetische Komponente. Vor allem bei musischen Sportarten wie Eiskunstlaufen oder Ballett könne man das beobachten. Allerdings gingen die Meinungen auch auseinander, wie er im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur einräumt. Manche würden sagen, das habe gar keine künstlerischen Aspekte. "Andere sind fasziniert von der Ästhetik bis hin auch – so widersprüchlich es vielleicht klingt -, der Ästhetik des Niederschlags des Gegners. Rumble in the Jungle, 1974, Ali gegen George Foreman. Wie Ali dann zum Schluss siegt, und da wird ja von einer Ästhetik gesprochen, dass er nicht nochmal nachsetzt, sondern den bereits getroffenen Foreman dann frei fallen lässt – sozusagen -, um das nochmal zu überhöhen, dass er nicht nochmal nachsetzt. Kann man sicherlich drüber streiten, inwiefern das ästhetisch ist. Aber es gibt Menschen, die das sehr ästhetisch empfinden."    
 

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