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Kompressor | Beitrag vom 12.04.2021

Bottega Veneta feiert im Berghain und im Soho HouseSelbstinszenierung ohne Maske und Abstand

Vera Klocke im Gespräch mit Massimo Maio

Eine Einwegmaske und die Schrift Morgen ist die Frage, Werk des Kuenstlers Rirkrit Tiravanija, auf den Weg zum Eingang vom Techno Club Berghain in Berlin am 8. Dezember 2020. Techno Club Bergain in Berlin ***  (Imago / Emmanuele Contini)
Normalbürgerinnen und -bürger dürfen bis auf weiteres pandemiebedingt nicht im Berghain feiern. Die Modemarke Bottega Veneta lud dennoch zur Fashion-Show. (Imago / Emmanuele Contini)

Fashion-Show im Berliner Berghain, Party mit ausgewählten Gästen ohne Maske: Den Shitstorm hat die italienische Luxusmodemarke Bottega Veneta offenbar einkalkuliert – um die eigene Exklusivität zu inszenieren, sagt Modeexpertin Vera Klocke.

Die Aufregung und Empörung in den sozialen Medien ist groß: Das italienische Luxus-Modelabel Bottega Veneta zeigte vor ein paar Tage seine neuesten Kreationen bei einer Show im Berliner Club Berghain. Nicht virtuell, sondern vor ausgewähltem Publikum – das sich anschließend zur After-Show-Party im Soho House in Prenzlauer Berg versammelte.

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Während die Berlinerinnen und Berliner mit strengen Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren nach 21 Uhr hadern, feierten und tanzten Promis aus der Designer-, Musik- und Clubszene wie Virgil Abloh, Skepta, Marc Goehring, Burna Boy, Sven Marquardt und Honey Dijon ohne Maske und Mindestabstand.

Beide Orte habe sich Bottega Veneta gezielt ausgesucht, vermutet die Modepodcasterin Vera Klocke ("Fashion the Gaze"), weil sowohl das Berghain mit seinen Türsteher Sven Marquardt als auch das Soho House mit seinem Eintritt nur für Mitglieder mit Abonnement für einen strikt limitierten Zugang stünden: Party wie Show seien "als Teil einer Exklusivitätsinszenierung zu verstehen".

Das Gegenteil von Demokratisierung

Neu sei dieses Prinzip der Exklusivität nicht. Es gebe jedoch auch Gegenbewegungen, die Luxusmarken in den Zeiten der Pandemie sogar einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machten: So habe etwa die Modemarke Loewe eine digitale Zeitung, der Designer John Galliano einen online abrufbaren Film herausgebracht, um seine Mode ins rechte Licht zu rücken.

Das Event der Firma Bottega Veneta im Berghain und die After-Show-Party im Soho House seien das genaue Gegenteil einer demokratischen Öffnung. Gemessen am Shitstorm in den Social-Media-Kanälen werde es wohl vor allem negativen Folgen für das Soho House haben, das bislang keine klare Stellung zu der Kritik bezogen hat.

"In den sozialen Medien sehen wir Aufrufe, das Abo im Soho House zu kündigen. Und einige Leute bestätigen, dass sie das gemacht haben", berichtet Klocke. "Hinzu kommt, dass dieses Event natürlich auch noch einmal auf die Ungleichheiten in der Coronapandemie hinweist."

Ob die Affäre auch der Modemarke Bottega Veneta schaden werde, bezweifelt Vera Klocke hingegen: Der Twitteraufruf, das Label zu boykottieren, "hat bis heute keinen einzigen Eintrag".

(mkn)

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