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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.03.2005

Botschafter der deutschen Kultur

Verleihung der Goethe-Medaillen

Interview mit Jutta Limbach

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Verleihung der Goethe-Medaillen: Die Preisträger Samuel Assefa, Yoko Tawada, Simone Young und Ruth Klüger (von links). (AP)
Verleihung der Goethe-Medaillen: Die Preisträger Samuel Assefa, Yoko Tawada, Simone Young und Ruth Klüger (von links). (AP)

Seit 1954 wird am 22. März, dem Todestag Goethes, die Goethe-Medaille an Menschen verliehen, die sich im Ausland um die deutsche Sprache und Kultur verdient gemacht haben. Seit 1992 findet die Preisverleihung in Weimar statt. In diesem Jahr wurde unter anderem die Schriftstellerin Ruth Klüger ausgezeichnet, die in den USA lebt.

Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, übergab die Medaillen. Limbach sagte, die Preisträger seien "Botschafter des Goethe-Instituts", weil sie in deutscher Sprache publizierten und manche von ihnen, wie der Philosophieprofessor Samuel Assefa, "leben im Goethe-Instiut", so Limbach weiter.

Bei der Vergabe käme es nicht auf einen politischen Aspekt an, sondern auf die konkreten Beitrag zum Kulturaustausch, den die Preisträger in ihrem Land geleistet haben, meint Limbach.

"Politische Tapferkeit wird nicht ausgezeichnet, wenngleich das Goethe-Institut es als eine Ehre ansieht, in solchen Ländern vertreten zu sein und ein Forum für Oppositionelle zu bieten, wo es mit der Demokratie noch nicht so weit her ist."

Die Preisträger


Die Schriftstellerin und Preisträgerin der Goethe-Medaille Ruth Klüger (AP)Die Schriftstellerin und Preisträgerin der Goehte-Medaille Ruth Klüger. (AP)Prof. Dr. Ruth Klüger (geb. 1931) hat in einem bewegenden Buch ihre Kindheit und Jugend im Dritten Reich, ihre Zeit in den Konzentrationslagern sowie die ersten Nachkriegsjahre in Deutschland und ihre Emigration in die USA beschrieben und reflektiert. Gleichzeitig ist dieses Buch eine Auseinandersetzung mit der Verdrängung der nationalsozialistischen Verbrechen, aber auch mit ihrer Rückkehr nach Deutschland, der Mutter und mit ihrer Rolle als Jüdin, als Frau und als Literaturwissenschaftlerin. Die in deutscher Sprache verfassten Erinnerungen erschienen im Herbst 1992 unter dem Titel "weiter leben" und wurden mehrfach ausgezeichnet.

Der Philosoph Samuel Assefa (AP)Der Philosoph Samuel Assefa (AP)Prof. Dr. Samuel Assefa erhält die Medaille für seinen Einsatz für die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Äthiopien. Er ist Vizepräsident der Addis Ababa University und seine Meinung wird auch bei den politischen Entscheidungsträgern gehört und geschätzt. Sein Einfluss führte u. a. dazu, dass Äthiopien in vielen Bereichen verstärkt mit Deutschland zusammenarbeiten will. Die Auszeichnung Assefas fällt zusammen mit dem 100. Jubiläum des Beginns der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Äthiopien.

Die Australierin Simone Young nach der Preisverleihung in Weimar. (AP)Die Australierin Simone Young nach der Preisverleihung in Weimar. (AP)Simone Young (geb. 1961) ist designierte Generalmusikdirektorin und Intendantin der Hamburgischen Staatsoper, sowie Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg (ab Spielzeit 2005/2006). In den neunziger Jahren – bis zu ihrer Ernennung zur Intendantin der Opera Australia im Jahr 2001 – dirigierte sie in den Zentren des europäischen Musiktheaters und in den USA. In Österreich dirigierte sie als erste Frau die Wiener Philharmoniker, in Berlin ebenfalls als erste Frau in Deutschland den kompletten "Ring" von Richard Wagner. In enger Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Sydney hat Simone Young das "Young Artist Programme" mit Fokus auf das deutsche Opernrepertoire intensiviert. Mit dieser Initiative hat sie die Voraussetzungen für die Umsetzung eines breiten deutschen Repertoires in Australien geschaffen.

Der ukrainische Literaturwissenschaftler Dmytro Satonsky (AP)Der ukrainische Literaturwissenschaftler Dmytro Satonsky (AP)Prof. Dr. Dmytro Volodymyrovych Satonsky (geb. 1922) gründete die Abteilung für ausländische Literatur am Shevchenko-Institut für Literatur der Akademie der Wissenschaften der Ukraine, die er in den Jahren 1962 bis 1974 leitete und der er seit 1986 bis heute vorsteht. Seit 1967 ist Satonsky Mitglied der internationalen Assoziation der Literaturkritiker, seit 1974 Vorstandsmitglied der Goethe-Gesellschaft in Weimar. Von Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn an hat sich Satonsky für die Verbreitung deutscher Kultur in der Ukraine, in Russland und in anderen slawischen Kulturen eingesetzt.

Yoko Tawada (geb. 1960) gilt sowohl in Japan als auch in Deutschland als eine der renommiertesten und wichtigsten Autorinnen ihrer Generation. Sie lebt seit 1982 in Hamburg und veröffentlicht in deutscher und japanischer Sprache Gedichte, Romane und Erzählungen, für die sie unter anderem den höchsten japanischen Literaturpreis (Akutagawa Preis) und den deutschen Adalbert-von-Chamisso-Preis erhielt. Frau Tawada hat an zahlreichen Goethe-Instituten und anderen Kulturinstituten weltweit gelesen und vermittelte in ihrer Tätigkeit als writer-in-residence an verschiedenen Universitäten ein kosmopolitisches Deutschlandbild.

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