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Fazit | Beitrag vom 21.04.2019

Bombenanschläge in Sri Lanka"Eine ganz andere Art von Terror"

Silke Diettrich im Gespräch mit Timo Grampes

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Die St. Antonius Kirche in Colombo ist nach einer Explosion verwüstet, Sicherheitskräfte gehen durch Trümmer (picture alliance / AA / Chamila Karunarathne)
Die St. Antonius Kirche in Colombo war einer der Anschlagsorte am Ostersonntag in Sri Lanka (picture alliance / AA / Chamila Karunarathne)

Bei acht Bombenexplosionen sind am Ostersonntag in Sri Lanka mehr als 200 Menschen getötet worden. Hunderte Menschen wurden verletzt. Es wird von terroristischen Anschlägen religiöser Extremisten ausgegangen.

"Wer war betroffen? Diesmal waren es Christen und Ausländer. Das ist für uns immer ganz schnell ein Zeichen, dass wir sofort die Alarmsignale schrillen hören und denken: ein islamistischer Terrorangriff", beschreibt Südostasien-Korrespondentin Silke Diettrich die aktuelle Lage in Sri Lanka.

Doch einen solchen Anschlag habe es bisher in dem Inselstaat noch nicht gegeben. Es sei eine ganz andere Art von Terror. Und noch habe sich auch niemand zu der Tat bekannt.

Bisher eher Konflikte zwischen Tamilen und Buddhisten

Diettrich sagt, dass die ersten Selbstmordattentäter, die es tatsächlich auf der Welt gab, aus Sri Lanka kamen. Das seien aber die Tamil Tigers, eine paramilitärische Organisation gewesen, die für Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas vom Rest der Insel von 1983 bis 2009 im Bürgerkrieg gekämpft hatten.

"Es war aber mehr ein ethnischer Konflikt, nicht unbedingt religiös", erklärt Diettrich. 

Es gab Anschlagswarnungen

Es habe allerdings Warnungen gegeben. "Der Polizeichef in Sri Lanka hat schon am 11. April gesagt, 'Ich habe hier definitive Warnungen, dass es Anschläge geben soll, auch auf Kirchen, auch auf Christen und das soll angeblich eine extremistisch-islamistische Splitterpartei aus Sri Lanka gewesen sein."

Die sei aber so klein gewesen, dass "keiner die richtig für wahr und für voll genommen hat". Keiner sei davon ausgegangen, dass es solch einen Angriff jemals geben kann. "Ich glaube, die Menschen in Sri Lanka sind gerade völlig desillusioniert, weil wir eigentlich in wenigen Wochen zehn Jahre gefeiert hätten, dass es endlich Frieden gab auf dieser Insel und jetzt eben diese blutigen Anschläge."

Gefahr eines neuen Bürgerkriegs

Auch der Politikwissenschaftler Sinthujan Varatharajah, dessen Eltern zu den hinduistischen Tamilen zählen und die in den 80er-Jahren vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland flohen, betrachtet die Anschläge mit Sorge. Einen erneuten Bürgerkrieg schließt er nicht aus:

"Die Frage ist wann. Ich glaube jetzt nicht unbedingt in den nächsten Jahren. Aber ich denke mal, dadurch dass der srilankische Staat, die singalesisch-buddhistische Mehrheit, eben keiner der Forderungen der Minderheiten entgegenkommt und ihnen keine Art von Zugeständnissen macht, dass quasi der Geduldsfaden der Minderheiten irgendwann überspannt ist."

Und dann könne es eine neue Generation von Menschen geben, die sich widersetzen will, "nicht nur politisch oder in demokratischen, sondern auch in gewaltvollen Formen."

(kpa)

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