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Interview | Beitrag vom 19.09.2019

Bluttests auf Trisomie als KassenleistungAbtreiben - oder mit der Diagnose leben?

Marina Knopf im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine Medizinisch-Technische Assistentin hält eine Blutprobe zur Prüfung in die Höhe. (Picture Alliance / dpa / Patrick Seeger)
Die Firma Lifecodexx in Konstanz hat den "PraenaTest" entwickelt, der die Trisomien 21, 18 und 13 beim ungeborenen Kind ausschließen oder bestätigen kann. (Picture Alliance / dpa / Patrick Seeger)

Ein vorgeburtlicher Test auf das Down-Syndrom soll Kassenleistung werden. Schon jetzt sei Pränataldiagnostik weit verbreitet, sagt die Psychologin Marina Knopf. Eine entsprechender Befund führe oft zum Schwangerschaftsabbruch.

Seit sieben Jahren ist ein Bluttest auf dem Markt, der bei schwangeren Frauen unter anderem eine Diagnose über Trisomie 21, also das Down-Syndrom, ermöglicht. Jetzt hat der gemeinsame Bundesausschuss von Kassen, Kliniken, Ärzten und Patientenvertretern entschieden: Dieser Test wird zur Kassenleistung - wenn auch nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen.

Diskutiert werden die Folgen. "Es wird sicher noch mehr Schwangerschaftsabbrüche wegen eines Down-Syndroms geben", sagte Marina Knopf, Psychologin und langjährige Beraterin am Familienplanungszentrum Hamburg, noch vor der Bekanntgabe dieser Entscheidung im Deutschlandfunk Kultur.

Der Gedanke, nach Kindern mit Down-Syndrom in der Schwangerschaft zu suchen, sei aber nicht neu. Schon jetzt würden die allermeisten Frauen Pränataldiagnostik in Anspruch nehmen. Der Bluttest sei "lediglich eine andere Methode", meint Knopf.

Entscheidung verbunden mit Ängsten

Knopf berichtet, dass Frauen oder Paare nach einem solchen Test, der auf ein Down-Syndrom des werdenden Kindes hinweist, das Gefühl hätten, die Entscheidung für oder gegen das Kind gar nicht treffen zu können. 

Viele Fragen der Paare beträfen den Alltag mit einem behinderten Kind - "Ist das machbar für uns? Ist die zusätzliche Belastung möglich?" -, aber natürlich müsse man sich in einer solchen Situation mit der Einstellung behinderten Menschen gegenüber auseinandersetzen, "und das ist für viele auch nicht so leicht zu sagen 'ach, das kriegen wir schon hin'", sagt Knopf.

Sehr belastende Krankheit

Bei der Diagnose Down-Syndrom sei es so, dass sich viele Kinder damit ganz gut entwickeln können, andererseits gebe es wirklich schwerkranke Menschen mit Down-Syndrom. "Das ist natürlich für die Familien und auch wahrscheinlich für die Kinder – für die Menschen selber – schon sehr belastend."

Nur sehr wenige Schwangere hätten nach einer solchen Diagnose sehr deutlich das Gefühl 'Das ist mein Kind und ich liebe es'. Die meisten Kinder mit Down-Syndrom würden daher deshalb geboren, weil die Eltern vor der Geburt nichts davon wüssten.

(huc)

Bluttests sind von der zehnten Schwangerschaftswoche an möglich und können mit hoher Wahrscheinlichkeit voraussagen, ob eine Trisomie 21 vorliegt. Eine abschließende Diagnose lassen sie jedoch nicht zu. Zur Absicherung des Ergebnisses sind daher weitere Tests geboten - wie etwa eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Plazenta-Punktion, die aber mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden sind. Es liegt laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bei 0,5 bis 2 Prozent. (dpa)

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