Blues auf hohem Niveau

Von Uwe Wohlmacher |
Als Bluesband seiner Träume hat der Rock-Veteran Stephen Stills sein neues Blues-Trio The Rides bezeichnet und tatsächlich ist bei der Superstar-Formation musikalisch auch alles im grünen Bereich. "Can‘t Get Enough" heißt das erste Album der Band und da kann ich mich nur anschließen.
Gitarrist und Sänger Stephen Stills und Keyboarder Barry Goldberg haben schon 1968 auf dem legendären "Super Session"-Album mit Al Kooper und Mike Bloomfield zusammen gespielt und sich nun mit dem halb so alten alten Kenny Wayne Shepherd, einem der besten Bluesrock-Gitarristen der Nachfolgegeneration zusammengetan. Stills gab in einem Interview zu Protokoll, dass die genannte ,Supersession‘ von damals auch die Initialzündung für das aktuelle Album war.

Das von dem ehemaligen Talking Heads-Keyboarder Jerry Harrison produzierte Album "Can't Get Enough" klingt knochentrocken, urwüchsig, raubeinig und wurde ohne technische Soundmätzchen lediglich mit einem kleinen Aufnahmegerät live im Studio eingespielt.

Unter den zehn Songs sind, neben zwei Coverversionen von Neil Young und Iggy Pop, klassische Bluesnummern, ein altes Stills-Stück und lediglich zwei Neukompositionen. Dennoch hat man nicht den Eindruck eines schnell zusammengezimmerten Repertoires, was natürlich an der Kunst der Protagonisten liegt, dem Fremdmaterial den eigenen Stempel aufzudrücken.

Gerade das Aufeinandertreffen von Jung und Alt in dieser Band belegt den aktuellen Wert des Blues, der gerade in den letzten Jahren durch blutjunge Musiker neuen Drive bekommen hat.

The Rides: "Can’t Get Enough"
Label: Provogue