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Tonart | Beitrag vom 27.09.2019

"Blue World" von John ColtraneKlänge eines vergessenen Sommertages

Karl Lippegaus im Gespräch mit Andreas Müller

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John Coltrane in einer Aufnahme von 1964 (KPA)
John Coltrane in einer Aufnahme von 1964 (KPA)

Es ist die erste und einzige Filmmusik des Jazz-Saxophonisten John Coltrane. Sie ist jetzt - mehr als 50 Jahre nach der Aufnahme - auf dem Album "Blue World" erschienen. Dabei lohnt es sich, genau hinzuhören, sagt unser Kritiker Karl Lippegaus.

Die weltweit meistverkaufte Jazzplatte des vergangenen Jahres entstand im Jahr 1963. Es war das zuvor jahrzehntelang verschollene Album des Saxofonisten John Coltrane mit dem Titel "Both directions at once".

Unlängst entdeckte der Coltrane-Forscher Chris de Vito eine bis dato nie veröffentlichte Studioaufnahme des Jazzmusikers. Die nächste Sensation.

An einem Nachmittag des Jahres 1964

Hierbei handelt es sich um Coltranes erste und einzige Filmmusik. Mit seinem legendären Quartett hatte Coltrane an einem einzigen Nachmittag vor 55 Jahren, nämlich am 24. Juni 1964, fünf ältere Stücke seines Repertoires neu eingespielt.

Die Aufnahmen waren für den kanadischen Filmemacher Gilles Croulx bestimmt, der sie für seine Kinoproduktion "Le chat dans le sac" verwendete. Diese Jazzstücke sind jetzt auf dem Album "Blue World" erschienen.

Der Film, in welchem Coltrane Saxophon spielte, sei sehr beeinflusst von der Nouvelle Vague, also dem französischen Film der späten 1950er Jahre, sagt unser Kritiker Karl Lippegaus.

Bekanntes klingt neu und anders

Die neue Veröffentlichung "Blue World" sei mit dem Bestseller "Both directions at once" insgesamt aber nicht vergleichbar. Denn die Aufnahmen des Sommernachmittags des Jahres 1964 seien "sehr komprimiert", während sich Coltranes Improvisationen sonst eher durch "ein open-end" auszeichneten.

Es lohne vor allem, ganz genau hinzuhören. So klinge das Stück "Village Blues" auf dieser Platte ganz anders als in der Originalaufnahme von 1961. "Ich finde die neue Fassung noch stärker als die ursprüngliche", meint Lippegaus.

(huc)

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