Bloß keine Luftschlösser bauen

So könnte die Eingangshalle von der Treppenhalle aussehen. © Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum / Franco Stella
Von Jürgen König · 12.06.2013
Die Anhänger des Berliner Schlossbaus betonen zur Grundsteinlegung die Einzigartigkeit des Projekts. Doch der Nebel des Diffusen haben sich noch nicht aufgelöst, meint Jürgen König: Die Verantwortlichen machen den Eindruck, als wären sie ihrer Sache selber nicht ganz sicher.
Eine eigentümliche Aufgeregtheit lag über der seit Monaten mit Spannung erwarteten Vorstellung der ersten konkreten Pläne zum Humboldtforum, hektische Fahrigkeit, angespannte Hochkonzentration – als müsse man dem Druck der Negativstimmen zum Berliner Schloss mit letzten Kräften standhalten. Dass Kulturstaatsminister Bernd Neumann noch nach der soeben vollzogenen Grundsteinlegung meinte, bekräftigen zu müssen, dass das Schloss auch wirklich gebaut werde, dass das "unverrückbar" sei, hatte fast etwas Trotziges:

"Der Wiederaufbau des Stadtschlosses wird erfolgen, das Humboldtforum kommt, es ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber selbst die kann man wohl bei diesem Projekt einigermaßen kalkulieren, deswegen wird ja von den Jahren 2019/2020 geredet."

Über einen Gründungsintendanten war schon lange spekuliert worden – 2015 soll es einen geben, Namen wurden noch nicht genannt. Neu ist auch, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als größte der drei beteiligten Einrichtungen für den ganzen Veranstaltungsbereich im Erdgeschoss verantwortlich sein und darüber hinaus die betrieblich-organisatorische Verantwortung für das gesamte Humboldtforum übernehmen soll – unter Wahrung der Autonomie der anderen Partner: der Humboldt-Universität und der Berliner Zentral- und Landesbibliothek. Konkrete Ausstellungsplanungen für das Humboldtforum gibt es 2015. Kurator Martin Heller:

"Inhaltsplanung ist ein Prozess, das ist so, und das ist keine irgendwie binsenwahre Entschuldigung für Unentschiedenheit; es ist ein Prozess, und dazu müssen wir und wollen wir stehen, und es ist ein Prozess, der gerade im Fall des Humboldtforums sehr komplex ist. Aufgrund des Baus, aufgrund der vielen Mitwirkenden, aufgrund aber auch der hohen Ansprüche."

Ausstellungen und Veranstaltungen zur globalisierten Welt
Ein Leitbild wurde entworfen, es schreibt für alle Beteiligten verbindlich fest: "Das Humboldtforum sucht und formt ein aktuelles Verständnis unserer Welt." Ausgehend von der "globalisierten Wirklichkeit" sollen "wesentliche Entwicklungen der Weltgesellschaft deutlich" gemacht und die sich "daraus ergebenden heutigen Aufgaben benannt" werden. Die Beziehungen zwischen Afrika und China zum Beispiel, die heute "wirtschaftlich und kulturell einen historisch einzigartigen Stand" erreicht hätten. Doch würde Europa dabei keine Rolle mehr spielen, dies sei eine bezeichnende Situation für das 21. Jahrhundert, Europa müsse seine schwindende Bedeutung zur Kenntnis nehmen und seinen Platz in der Welt neu suchen.

Dieses Thema soll behandelt werden mit Ausstellungen und Veranstaltungen, in denen zeitgenössische Fragen an historische Objekte und Artefakte aus den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst gestellt werden, kommentiert wiederum durch zeitgenössische Kunst, mit wissenschaftlichen Fragestellungen flankiert, dazu Vortragsreihen, Konzerte. Solche inhaltlichen Verknüpfungen sollen im gesamten Humboldtforum sichtbar, Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Bibliotheksbereiche sollen eng verzahnt werden. Vom früheren Projekt eines zentralen, großen Veranstaltungsraumes, der "Agora" im Erdgeschoss, die alleine die "zeitgenössischen Diskurse" aufnehmen sollte, davon hat man sich gelöst. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger:

"Wir müssen versuchen, zu Querverbindungen zu kommen und nicht zu einer weiteren, ja: Abschottung der einzelnen Bereiche, die im Humboldtforum in dieser Dramaturgie vom Erdgeschoss bis ins dritte OG übereinander angeordnet sind. Das gelingt nur, wenn eine wirklich inhaltliche und an den richtigen Stellen vollzogene Integration der Veranstaltungsbereiche auch in die Museumsteile gelingt."

Da man die Absicht schon für die Tat nehmen muss, ist es schwer, diese Pläne zu beurteilen. Ja, sie konkretisieren sich. Nein, die Nebel des Diffusen haben sich noch nicht aufgelöst. Und bei allem: dieser Eindruck hektischer, überkonzentrierter Motivation, als wären sich die Verantwortlichen ihrer Sache selber nicht ganz sicher.

Berlin erhält eine neue Mitte
Grundsteinlegung für das Stadtschloss (dradio.de)